»Wir sind Ihr Sparringspartner für strategische und operative Entscheidungen, behalten die Einflussparameter im Blick und unterstützen Sie bei der Wahl des besten Modells.«

Christian Behm, Partner LPA

FRTB

Die FRTB-Standards haben weitreichende Auswirkungen, etwa auf die Komplexität von IT-Systemen. Wir begleiten Sie von der Analyse über die Konzeption bis zur Neuausrichtung.

Unser Service rund um FRTB im Überblick

Überblick und Zeitplan bis 2022

Mit dem FRTB (»Fundamental Review of the Trading Book«) hat der Baseler Ausschuss neue Standards zur Mindestkapitalanforderung für Marktpreisrisiken (BCBS 352) auf internationaler Ebene geschaffen. FRTB stellt damit einen Bestandteil des neuen Rahmenwerks Basel IV (oder – je nach Sprachgebrauch – Basel III) dar.

Die Kernbestandteile der Reform sind:

  • überarbeitete (und verschärfte) Abgrenzung zwischen Bankbuch und Handelsbuch
  • neuer Ansatz für die Risikomodellierung im internen Modell (IMA)
  • überarbeiteter (und sensitivitätsbasierter) Standardansatz (SA) zur Risikomessung
  • Wechsel von Value-at-Risk (VaR) zur Expected Shortfall (ES) Messung
  • Berücksichtigung von Liquiditätsrisiken im Markt

Nach mehrjähriger Konsultationsphase wurde der finale Standard im Januar 2016 veröffentlicht. Der ursprüngliche Erstanwendungszeitpunkt wurde im Dezember 2017 formal vom 01.01.2019 auf den 01.01.2022 verschoben.

Timeline FRTB

Aktuell erfolgen noch einige Konkretisierungen und Re-Kalibrierungen der vorgeschriebenen Modelle in Form von Konsultationsphasen. Das betrifft unter anderem eine Überarbeitung der Modellparameter im Standardansatz. Diese wurden im März 2018 durch das Baseler Komitee (https://www.bis.org/press/p180322.htm) veröffentlicht.
Die Umsetzung in europäisches Recht erfolgt über die CRR 2 und wird bis spätestens 2021 erwartet. Die entsprechende Entwurfsfassung wurde durch die EU-Kommission im November 2016 veröffentlicht.

Neue Regeln für die Kapitalunterlegung des Marktrisikos im Handelsbuch

FRTB Auswirkungen

Bedeutung des internen Marktrisikomodells nimmt ab

Im Dezember 2017 wurde eine Finalisierung der Basel-III-Reform (BCBS 424) veröffentlicht. Spätestens mit dem dort eingeführten »globalen Output Floor« stellt sich die Frage nach der Wahl des optimalen Modellansatzes (Internes Modell vs. Standardansatz) im Marktrisiko neu. Der Floor wird bis 2027 stufenweise eingeführt und definiert dann die minimale Kapitalanforderung als 72,5% des Standardansatzes. Hierbei wirkt der Floor global über alle Risikoklassen (Marktrisiko, Kreditrisiko, operationelles Risiko etc.) hinweg.

Die Frage der Wirtschaftlichkeit hängt damit nicht alleine von den Marktrisikopositionen im Handelsbuch und der Effektivität des internen Modells ab, sondern auch wesentlich vom Gesamtportfolio der Bank. Das betrifft insbesondere die verwendeten Modelle im Kreditrisiko und den relativen Anteil des Marktrisikos am Gesamtrisiko der Bank.

Schematische Darstellung des Floor-Effekts

Nicht-modellierbare Risikofaktoren

Zusätzlich zur Wirkungsweise des globalen Floors schränken die Vorschriften zur Modellvalidierung und der Identifikation von nicht-modellierbaren Risikofaktoren die Vorteile des internen Modells stark ein. Besonders für komplexe oder wenig (durch die Bank) gehandelte Positionen ist eine vollständige Modellierung aller Risikofaktoren selten möglich. Marktteilnehmer haben durch die Verwendung von Data Pools versucht, die vorhandene Datengrundlage und damit die Modellierbarkeit zu erhöhen. Auf diese Weise konnte das Problem jedoch nicht vollständig gelöst werden. Im Extremfall kann der Anteil an nicht-modellierbaren Risikofaktoren weit mehr als 50 Prozent betragen. Die damit verbundenen Aufschläge erhöhen die Kapitalanforderungen im internen Modell stark. Diese liegen dann in einigen Fällen sogar über denen im Standardansatz. Viele Banken wechseln daher auf Desk-Ebene komplett zum Standardansatz.

Gleichzeitig steigert die Möglichkeit zum vollständigen Netting gegenläufiger Positionen und die damit verbundenen Hedging Benefits die Attraktivität des Standardansatzes. Dies gilt für Makro- und Mikro-Hedgestrategien. Für Banken, die keine oder nur geringe Risiken auf das eigene Buch nehmen bzw. diese größtenteils externalisieren, kann dies in einzelnen Fällen positive Kapitaleffekte haben.

Auswirkungen von FRTB auf das Front Office

Die geänderten Modelle haben im Front Office und aus Sicht des Geschäftsmodells Auswirkungen auf Handels-und Hedgingstrategien. Die Modelle beeinflussen über die Kapitalanforderungen wesentlich die Kapitalkosten der unterschiedlichen Strategien. Insbesondere für langlaufende und komplexe Strategien muss bereits vor der Erstanwendung von FRTB sichergestellt werden, dass einzelne Geschäfte werthaltig sind und bleiben. Aus Sicht der Kapitalanforderungen nimmt die Bedeutung des Standardansatzes für Hedging-Strategien zu, da diese über den globalen Output Floor in der Regel stärker vom SA als vom IMA getrieben werden. Die strategischen Implikationen auf das Front Office sollten bereits jetzt analysiert und entsprechend umgesetzt werden.

Organisatorische Anforderungen

Neben den rein quantitativen und qualitativen Anforderungen an die Risikomodellierungen müssen organisatorische Anforderungen geeignet im Front Office abgebildet werden.
Das betrifft unter anderem die Ausgestaltung des »Internen Risiko Transfers« (IRT) aus dem Bank- ins Handelsbuch. Anders als bisher muss der Risikotransfer, z. B. für das Zinsrisiko, über ein gesondertes IRT-Portfolio erfolgen, sofern keine Mikro-Hedgingstrategie angewendet wird. Andernfalls werden die externen Hedges nicht als risikoreduzierend bei der Ermittlung der Kapitalanforderung berücksichtigt. Die damit verbundenen operativen Anforderungen müssen entsprechend umgesetzt, die Implikationen auf bestehende Handels- und Hedgingstrategien analysiert und mitigiert werden.

Interner Risikotransfer

Zusätzliche Anforderungen an die Struktur der Handelstische hinsichtlich Strategie und Risikomanagement erfordern zumindest die Überprüfung der bestehenden Dokumentation. Durch die Entschärfungen der Vorgaben in den finalen Standards erwarten wir allerdings keinen wesentlichen Anpassungsbedarf am Zuschnitt der Handelstische (abgesehen von den oben beschriebenen Anforderungen an den IRT).

Anforderungen an die IT-Systeme steigen massiv

Die Verwendung des sensitivitätsbasierten Standardansatzes stellt eine signifikante Änderung für viele kleine und mittelgroße Institute dar. Waren die bisherigen Berechnungsmethoden im Standardansatz vergleichsweise einfach, steigen die Anforderungen mit der Verwendung von Sensitivitäten stark an. Das gilt insbesondere im Fall von komplexeren Produkten. Damit steigen bereits die Systemanforderungen an die Ermittlung der Kapitalanforderungen durch das Risikomanagement.

Gleichzeitig werden die entsprechenden Modelle für die Projektion der zukünftigen Kapitalkosten benötigt. Die Ermittlung des KVA für Derivate erfordert damit schon im Standardansatz die Simulation von zukünftigen Sensitivitäten auf Einzeltrade- und Portfolioebene. Die Erfahrung zeigt, dass für diese Anwendungsfälle eine genaue Abwägung zwischen Genauigkeit, geeigneten Approximationsmethoden und der benötigten Rechenleistung erfolgen muss.

Zusätzlich werden geeignete Methoden und Anwendungen benötigt, um die Auswirkungen einzelner Trades schnell und genau zu analysieren. Damit wird eine Anpassung der verwendeten Pre-Deal Checks oder Capital Cost Cockpits erforderlich. Die zunehmende Bedeutung der Portfolioeffekte erhöht auch in diesem Fall die Komplexität. Ein geeignetes Preprocessing für Intraday-Analysen wird damit erforderlich. Andernfalls ist eine Berechnung mit der Realität im Handelsbereich nicht kompatibel.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Pflicht zur Verwendung von Front-Office-Modellen zu einer steigenden Genauigkeit in den Berechnungen führt. Diese Anforderung führt dazu, dass aktuell viele Banken ihre bestehende Infrastruktur überdenken. Die gemeinsame Verwendung von Modellen und IT-Infrastruktur durch Front- und Back Office wird in der Zukunft weiter zunehmen. Gleichzeitig schaffen technische Entwicklungen wie die zunehmende Verwendung von APIs die Grundlage für weitere Optimierungen der IT Infrastruktur.

Unsere Leistungen

Als leistungsstarker Partner für alle Aspekte rund um FRTB unterstützen wir Sie mit langjähriger Erfahrung in der strategischen Umsetzung regulatorischer Anforderungen und moderieren zwischen den Stakeholdern aus Risk, Treasury, Front Office und IT.

Unser Leistungsspektrum umfasst:

  • Auswirkungsanalysen und strategische Neuausrichtung für das Front Office
  • Analyse der Wirtschaftlichkeit des internen Modells
  • Konzeption und Umsetzung der neuen Modelle im Risikobereich
  • Berechnung von Sensitivitäten für komplexe Finanzinstrumente (LPACalc)
  • strategische Neuausrichtungen von IT-Systemen sowie Transformationsprojekte

Möchten Sie mehr darüber erfahren, wie wir Sie um Umfeld von FRTB unterstützen?

Christian Behm
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Ihr Ansprechpartner für
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