MiFID II setzt neue Maßstäbe für Ausführung und Reporting von Kundenaufträgen
Publikationen
30. August 2016

MiFID II setzt neue Maßstäbe für Ausführung und Reporting von Kundenaufträgen

Best-Execution – das kennen wir doch schon aus MiFID I? Stimmt grundsätzlich. Aber MiFID II verlangt mehr:

  1. Alle »angemessenen Maßnahmen« zu ergreifen für eine best mögliche Ausführung wird durch alle „hinreichenden Maßnahmen“ ersetzt, was weitereichende Folgen mit sich zieht
  2. Ausführungsgrundsätze, »Best Execution Policies«, müssen konkretisiert und überarbeitet werden
  3. Umfassende Anforderungen an das Reporting über die eigene Ausführungsqualität müssen von vielen Banken umgesetzt werden

 

MiFID II setzt neue Maßstäbe für Ausführung und Reporting von Kundenaufträgen.

Best-Execution – das kennen wir doch schon aus MiFID I? Stimmt grundsätzlich. Aber: Erstens verlangt MiFID I, alle »angemessenen Maßnahmen« zu ergreifen für die bestmögliche Ausführung im Sinne des Kunden. MiFID II verlangt nun alle »hinreichenden Maßnahmen«. Was auf den ersten Blick nicht wie eine große Sache aussieht, hat es bei näherem Hinsehen in sich. Zweitens sollen auch die Ausführungsgrundsätze selbst, die »Best Execution Policies«, konkretisiert und überarbeitet werden. Und drittens stellt MiFID II umfassende Anforderungen an das Reporting über die Art und Weise und insbesondere die Qualität der Oderausführungen, die von den betroffenen Banken mit einem ungläubigen Kopfschütteln als »Daten-Tsunami« betitelt werden.

In aller Kürze.

  • Kundenaufträge müssen bestmöglich für den Kunden ausgeführt werden – über sämtliche Assetklassen und verschiedene Kundenklassen hinweg. (Insb. auch für Bonds und prof. Kunden).
  • Die Ausführungsgrundätze müssen alle Geschäftsvorfälle erfassen und präzise beschreiben.
  • Banken, die regelmäßig mit Kunden auf die eigenen Bücher handeln, werden zum komplexen, umfangreichen Reporting über ihre Ausführungsqualität verpflichtet.

Orderwege.

Ausführung von Kundenorders im besten Interesse des Kunden und Aufstellen von Ausführungsgrundsätzen – dies sind die bestehenden Anforderungen aus MiFID I. Allerdings wird deren Umsetzung durch die Bankenaufsicht, am lautesten durch die ESMA aber auch die britische Aufsichtsbehörde FCA, und die deutsche BaFin stark bemängelt. Beim Public Hearing zur MiFID II-Umsetzung im Februar 2015 sagte die ESMA sinngemäß, dass die Best-Execution Verpflichtungen »von allen MiFID-Aspekten mit am schlechtesten umgesetzt« seien. Eine Ausnahme bildet die Assetklasse »Aktien«: Hier haben die Banken stark investiert, nahezu alle Kundenaufträge werden an Handelsplätze weitergeleitet und in vielen Häusern gibt es Order-Router (»smart« oder »statisch«), die Kundenaufträge bestmöglich ausführen.

Anleihen werden jedoch nach wie vor bevorzugt OTC gehandelt – in der Regel per Telefon oder im Privatkundenfall direkt am Schreibtisch des Bankberaters. Die Transaktionen werden meist direkt gegen die eigenen Bücher ausgeführt. Häufig »auf Kundenweisung« – und somit vorbei an der Best-Execution – aber eben dies ist von der Aufsicht nicht mehr gewollt.

Vielmehr soll der Kunde in den Genuss der bestmöglichen Auftragsausführung gelangen. Jede Bank, die Kundenaufträge ausführt, soll analysieren, wie sie dem am besten gerecht werden kann. Für die Praxis bedeutet das: bestehende Orderwege sind auf den Prüfstand zu stellen und alle, die nicht »hinreichend« sind, um das bestmögliche Ergebnis für den Kunden zu erzielen, anzupassen.

Ausführungsgrundsätze.

Sind die Orderwege einmal definiert, gilt es die Ausführungsgrundsätze entsprechend zu synchronisieren. Heutige Best Execution Policies sind oft allgemein verfasst und unterscheiden nicht immer zwischen Kundenkategorien und Assetklassen. Sie sind laut MiFID II auf »klare, ausführliche und auf eine für den Kunden verständliche Weise« zu verfassen – ein weiteres Puzzlestück im Gesamtkontext »Transparenz und Anlegerschutz«.

Best-Execution Reporting: Der »Datentsunami«.

Eine neue Möglichkeit, den besten Orderweg für den Kunden zu bestimmten, bieten die »Execution Quality Reports« der Systematischen Internalisierer und »Other Liquidity Provider«. Die betroffenen Banken (im Grunde alle, die nicht nur im Ausnahmefall Kundengeschäfte gegen die eigenen Bücher handeln) müssen in diesen vierteljährlich zu erstellenden Reports die eigene Ausführungsqualität berechnen und veröffentlichen. Pro ISIN und pro Handelstag. Die Anforderungen an Datentiefe und Datenumfang (für Handelsplätze heute schon gelebte Praxis) bedeuten für die Banken eine enorme Komplexität und stellen umfassende Anforderungen an den Datenhaushalt – pro ISIN wird dieser »Datentsunami« aus jährlich mehr als 20.000 Datenfeldern bestehen.

What’s next?

Die Umsetzung der Best-Execution- Anforderungen wird die Banken bis 2018 in Atem halten. IT-Architektur und Businessprozesse müssen angepasst und abgestimmt werden, Aufzeichnungs- und Dokumentationspflichten erfüllt und sich verändernde Ausführungswege und Handelsplätze synchronisiert werden. Im besten Interesse des Kunden.

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Zum Verfasser
Eva Schnürer

Nach dem Studium der Germanistik, Psychoanalyse und Philosophie in Frankfurt arbeitet man vielleicht nicht zwangsläufig in der Finanzbranche, kann sich dort aber überraschend wohlfühlen. Eva Schnürer ist seit September 2017 für das Marketing von LPA zuständig und darüber hinaus verantwortlich für die interne und externe Kommunikation.

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