ESMA aktualisiert Q&A zu Marktstrukturthemen
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19. April 2017

ESMA aktualisiert Q&A zu Marktstrukturthemen

Die Q&A beschäftigt sich noch einmal genauer mit den Algo- und Hochfrequenzhandel-Definitionen. Auch für das SI Regime finden sich weitere Antworten. Die anhängenden »LPA News« beleuchten das neue Bild: Welche Fragen werden beantwortet und welche Themen bleiben offen?

 Eingrenzung der erlaubten SI Transaktionen

 In aller Kürze

  • ESMA definiert, was unter dem SI Regime als gelegentliche Matched Principal Transaktionen gelten würden.
  • Eine automatische Quotierung auf OTC Märkten führt nicht automatisch zur Umsetzung der Algo Anforderungen.
  • Mitteilungsaufkommen im Zuge der HFT Klassifizierung auch von Wertpapierfirmen und nicht nur von Handelsplätzen zu berechnen.
  • ESMA setzt getrennte Rechtsträger für OTFs und SIs voraus.

Die ESMA veröffentlichte am 5. April ein Update zu den Q&As für die Marktstrukturthemen. Die wichtigsten Änderungen betreffen Algorithmischen Handel, Systematische Internalisierer (SIs) und deren Transaktionen sowie Firmen, die Hochfrequenzhandel betreiben.

SI und »riskless principal«

Die ESMA geht in ihren Q&A mit den in den UK aufgekommenen und durch MEP Ferber unterstützten Diskussionen einher, die ehemaligen Broker Crossing Networks ein Schlupfloch boten. In den Q&A adressiert die ESMA den Level 1 Text der auf »occasional matched principal« verweist. Der Regulator verweist nochmal darauf, dass die Natur eines SIs darin liegt risikobehaftete Transaktionen auszuführen.

Transaktionen die als nicht-risikobehaftet gelten sind folgendermaßen charakterisiert (Q-15):

  • Das »Crossen« von Kaufinteressen mit den Quotes anderer Liquiditätsgeber (auch auf einer multiplen Basis) mit dem Effekt, dass der SI einen risikolosen Back-to-back Trade mit den Liquiditätsgebern durchführen würde.
  • Die Existenz eines Systems was die Effizienz und Schnelligkeit zwischen dem SI und anderen Liquiditätsgebern erleichtert (durch rechtliche Verträge oder Technologien).
  • Transaktionen, die aus dem Zusammenbringen von Kauf- und Verkaufsinteresse resultieren

Allerdings sind Back-to-back Hedges, die mit einem Handelsplatz geschlossen werden von nicht-risikobehafteten Transaktionen ausgenommen.

Als Transaktionen die nicht als gelegentlich (»occasional«) und nichtregulär passieren, definiert die ESMA um den Spielraum weiter einzuschränken folgende Anforderung (Q-16):

  • Der SI hat ein System welches automatisch passende Kundenorders matched.
  • Die Anzahl der risikolosen Aktivitäten trägt zu einem Großteil des Handelsgewinns bei.
  • Öffentliches Bewerben von »Matched Principals«.

Endlich gibt es auch in Sachen Algo Trading ein wenig mehr Klarheit

  • Zum einen stellt die ESMA klar, dass Algos die lediglich dem Zweck dienen, den Händler auf ein Ereignis hinzuweisen, die Orderausführung aber noch manuell funktioniert, nicht unter den Tatbestand des algorithmischen Handels fallen würden (Q-8).
  • Zum anderen – eine deutliche Erleichterung für die Herleitung des Algo-Tatbestandes insbesondere in kleineren Instituten – fällt eine automatische Quotierung auf OTC Märkten und die bilaterale Kundenkommunikation nicht unter die regulatorischen Anforderungen des algorithmischen Handels.

Schlupfloch aus DEA der Deutschen Börse gestopft

Das Schlupfloch aus der Definition des direkten elektronischen Zugangs ist gestopft:

In der delegierten Verordnung verwies die ESMA darauf, dass der Orderinitiator Diskretion auf die »exact fraction of a second« bei der die Order am Handelsplatz aufschlägt ausüben kann. Die Argumentation der deutschen Börse, dass diese keinen direkten elektronischen Zugang anbietet ist somit hinfällig. Da die Q&A nochmal eindeutig darauf hinweisen, dass die Vorhandelskontrollen der DEA Anbieter, zwar eine Verzögerung darstellen, den Orderinitiator aber dennoch die exakte Sekunde der Orderinitiierung gewährleisten.

Klärungen der HFT Klassifizierung

Die Klassifizierung einer Bank als Hochfrequenzhandelsfirma hängt von drei Faktoren ab: die Nutzung von Algorithmen ohne menschliches Eingreifen, die Nutzung von latenzminimierender Infrastruktur und ein außergewöhnlich hohes Mitteilungsaufkommen.

Für das letzt-genannte Kriterium legt die delegierte Verordnung fest, dass der Handelsplatz das Mitteilungsaufkommen feststellen und der Wertpapierfirma mitteilen muss. Nun jedoch schreibt die ESMA in ihren FAQs, dass die Wertpapierfirmen verpflichtet sind einmal im Monat zu prüfen, ob sie die Message-Rate, die sie verpflichtet die HFT Anforderungen zu erfüllen, bereits erreicht haben (gegeben dem Fall, dass alle anderen Kriterien erfüllt sind). Die Handelsplätze müssen trotzdem auf Anfrage die Anzahl der Mitteilungen preisgeben. Die erste Messung soll in der zweiten Februarwoche 2018 stattfinden. Es wird darauf hingewiesen, dass bei alleiniger Andeutung, dass die Schwelle für das Mitteilungsaufkommen bald gerissen wird, sich die Banken auf die Umsetzung der Anforderungen vorbereiten sollen. Die ESMA weißt zusätzlich ausdrücklich darauf hin, dass eine Meldepflicht für den algorithmischen Handel an die Handelsplätze und die nationale Aufsicht besteht.

Überraschenderweise gewährt der englische Regulator in seinen am 31. März veröffentlichten Implementierungsgrundsätzen zum ersten Mal eine mögliche verzögerte Anwendung:

Nicht-EU DEA Anbietern, die Zugang zu einem UK MTF anbieten gewährt die FCA eine Schonfrist zur Erfüllung der regulatorischen An-forderungen von bis zu 3 Jahren.

OTF und SI im selben Rechtsträger unzulässig

Einen weiteren Aspekt, den die ESMA anspricht, welcher auch auf den letzten BaFin Workshops zur Sprache kam, ist die Existenz von einem OTF und einem SI im selben Rechtsträger. Es wird sehr deutlich, dass ein OTF und ein SI unabhängig von den angebotenen Instrumenten nicht denselben Rechtsträger vereinen können. Der Regulator wird sogar noch präziser und verdeutlicht, dass es nicht nur zwei verschiedene Rechtsträger geben muss sondern auch zwei getrennte Operations Teams und getrennte Ausführungssysteme.

Zum Verfasser
Eva Schnürer

Nach dem Studium der Germanistik, Psychoanalyse und Philosophie in Frankfurt arbeitet man vielleicht nicht zwangsläufig in der Finanzbranche, kann sich dort aber überraschend wohlfühlen. Eva Schnürer ist seit September 2017 für das Marketing von LPA zuständig und darüber hinaus verantwortlich für die interne und externe Kommunikation.

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