14. Februar 2018

PruVal Revisited: Der Implementing Technical Standard zu COREP (03/2016) und mögliche Auswirkungen auf bestehende Prudent Valuation Umsetzungen

Überblick.

inkuerzeIm März 2016 wurde der Entwurf des angepassten Implementing Technical Standard (ITS) für das Supervisory Reporting veröffentlicht. Dieser definiert die Details zu den erforderlichen Meldungen der Additional Valuation Adjustments (AVAs) gem. Prudent Valuation Regulatory Technical Standard (RTS). Der Zeitplan sieht eine erstmalige Anwendung Ende 2018 vor. Die resultierenden Umsetzungen und Anpassungen an der bestehenden Prudent Valuation Lösung unterliegen damit nun einem engen Zeitplan und der Unsicherheit einer bisher fehlenden finalen Veröffentlichung des Standards. Zusätzlich übersteigen die Anforderungen aus dem ITS die des RTS teilweise deutlich. Die wesentlichen Änderungen betreffen die folgenden Aspekte:

  • Die Reportingtemplates enthalten Informationen zu Positionen, die bisher nicht für die Prudent Valuation Umsetzung relevant waren.
  • Die Granularität der Reportingtemplates übersteigt die Anforderungen aus dem RTS deutlich. Dies betrifft Inputdaten, Zwischen- und Endergebnisse.
  • Mit der Upper Uncertainty wird eine zusätzliche Kenngröße eingeführt, die im RTS zu Prudent Valuation nicht vorgesehen ist.

Die Definition der fachlichen Anforderungen erfordert an einigen Stellen eine geeignete Interpretation und Auslegung des ITS.

Zusätzlich zu den oben beschriebenen Punkten erfordert ein geändertes regulatorisches Umfeld (z. B. IFRS 9 und die resultierende Fair Value Pflicht für bestimmte Positionen) eine Überprüfung und Anpassung der Prudent Valuation Umsetzung.

Einen entscheidenden Schritt in der Umsetzung der neuen Anforderung stellt die geeignete Wahl bzw. Anpassung der Systemarchitektur in Verbindung mit der bestehenden Prudent Valuation Lösung dar.

Abbildung 1: Beispiel für eine mögliche Zielarchitektur (schematisch) Abbildung 1: Beispiel für eine mögliche Zielarchitektur (schematisch)

 

Die Einführung eines Normalisierungslayers und eines Information Layers können hierbei wesentliche Ergänzungen zu einer bestehenden Architektur sein.

Normalisierungslayer: Zusammenführung der Positionen.

Eine zentrale Normalisierungsschicht stellt sicher, dass alle Anforderungen an den Positionsumfang des Reportings abgebildet werden können. Hierbei sind die folgenden Eigenschaften dieser Systemkomponente entscheidend:

  • Informationen zu allen Positionen, die relevant für das Reporting sind, werden an einer zentralen Stelle aggregiert.
  • Die konsistente Datenstruktur ermöglicht eine konforme Auswertung aller Positionen.
  • Es erfolgt eine zentrale Anwendung der Prudent Filter über alle Positionen.
  • Es erfolgt eine Persistierung aller nötigen Datenanforderungen im Information Layer.

Damit stellt das Normalisierungslayer sicher, dass

  • Die detaillierte Berichterstattung für das Schwellenwertreporting abgebildet werden kann.
  • Informationen zu Positionen im Prudential Filter verfügbar und auswertbar sind.
  • Reportinganforderungen zu den Filterkriterien über alle Positionen aggregiert werden können.

Rechenkern: Upper Uncertainty und Granularität.

Die neuen Anforderungen an den Rechenkern (ggf. die Rechenkerne) lassen sich in die Upper Uncertainty und die gestiegenen Anforderungen an die Granularität der Zwischen- und Endergebnisse unterteilen.

Nach einer fachlichen Definition der Upper Uncertainty (ITS definiert lediglich das Konzept als Bewertungsanpassung im 10%-Quantil gegenüber einem 90%-Quantil in der Berechnung der AVAs, gibt dabei aber keine strikte Methodik vor) erfolgt eine Erweiterung der Rechenmethodik. Aufwand und gestiegene Anforderungen an den Rechenkern hängen hierbei u.a. vom gewählten Modell und der jeweiligen Ausgestaltung ab. Abhängig von Modellwahl und möglichen Symmetrieannahmen können Ergebnisse mit geringem Aufwand aus bereits bestehenden Berechnungen abgeleitet werden.

Der ITS fordert Informationen auf einer granulareren Ebene als auf Instituts- bzw. Gruppenebene. Daten müssen beispielsweise auf Portfoliolevel oder pro Produkttyp ausgewiesen werden.

Im Allgemeinen allokieren Banken bereits heute AVAs auf Bereichs-, Portfolio oder auch Assetklassenebene. Allerdings erfolgt hierfür in der Regel eine Berechnung der AVAs auf Gruppen- bzw. Institutsebene. Dies stellt eine Berücksichtigung aller Netting- und Hedgeeffekte sicher. Anschließend wird der Gesamt-AVA, z. B. gewichtet nach Sensitivitäten oder geeigneten Kenngrößen, allokiert.

Die höhere Granularität im Report bezieht sich jedoch auf die Berechnung direkt auf Portfolio- oder Produkttypebene. Dies führt zu in Summe höheren AVAs und resultiert in gestiegenen Datenanforderungen gegenüber der bisherigen AVA-Berechnung.

Dies ist ein Beispiel für die höheren Anforderungen an die Verfügbarkeit von Zwischen- und Endergebnissen.

Information Layer: Granulare und vollständige Daten.

Das Information Layer ist die Basis für die Reporterstellung und enthält die benötigte Datenbasis. Alle benötigten Daten werden direkt aus dem Normalisierungslayer oder aus dem Rechenkern eingespielt.

Ein konsistenter Datenbestand und die Anbindung an Rechenkerne und Normalisierungslayer erlauben einen hohen Automatisierungsgrad des Prozesses.

Das Information Layer stellt sicher, dass

  • auch Daten, welche nicht im Rechenkern benötigt werden, für die Erstellung der Reportingtemplates zur Verfügung stehen, die Datenstruktur für die Erstellung der Reports geeignet ist und alle benötigten Daten vorhanden sind.
  • eine gebündelte und effiziente Erstellung der Reports über eine zentrale Schnittstelle möglich ist.
  • die gesammelten Daten neben der Erfüllung der Reportinganforderungen für das Strategische Controlling verwendet werden können und eine detailliertere Steuerungsbasis für Managemententscheidungen in den einzelnen Assetklassen ermöglicht wird.

Fazit.

Die gegenüber dem RTS gestiegenen Anforderungen an die Prudent Valuation Umsetzung, lösen einen akuten Handlungsbedarf aus. Dieser hängt jedoch von der bestehenden Lösung ab.

  • Eine Gap-Analyse zeigt die Umsetzungsbedarfe und ist der erste Schritt auf dem Weg zu einer geeigneten Zielarchitektur.
  • Die Vorgaben des ITS erfordern an einigen Stellen eine Auslegung des regulatorischen Textes.
  • Mit der Umsetzung sollte zeitnah begonnen werden, um die regulatorischen Anforderungen bis Jahresende fristgerecht zu erfüllen.

Für tiefergehende Diskussionen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

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