Geistesblitz 20/06 DE

Geistesblitz 20/06 DE

Temporäre Liquiditätsentlastung in der Corona-Krise durch einen Zinsstufen-Swap


Vorbemerkung


Die Corona-Krise stellt Banken und ihre Kunden vor neue, schwere Herausforderungen. Alle Beteiligten arbeiten in den letzten Wochen eng zusammen, um Liquiditätsengpässe der Kunden zu überbrücken und Kreditvereinbarungsklauseln den Schrecken zu nehmen.
Außerdem leistet die KfW im Rahmen bestehender und neuer Programme den Unternehmen Corona-Hilfe. Sind die Möglichkeiten auch vielfältig, ist nicht zwingend für jeden Kunden etwas dabei, wie folgende Übersicht möglicher Einschränkungen zeigt. 


Abbildung 1: Mögliche Einschränkungen der KfW-Corona-Hilfen

Für Fälle in denen der bunte Strauß möglicher Alternativen nicht passend gemacht werden kann, eine zeitnahe Entscheidung angestrebt wird oder lediglich eine flankierende Lösung gesucht wird, kann auf derivative Lösungen zurückgegriffen werden. Diese bieten den Vorteil, maßgeschneidert auf individuelle Anforderungen eines jeden Unternehmens angepasst werden zu können. Hier kommt der neue Geistesblitz ins Spiel. In der aktuellen Ausgabe des Geistesblitz stellen wir am Beispiel eines bestehenden synthetischen Festsatzkredits die Möglichkeit vor, Kunden durch eine individuelle Lösung „den Rücken frei“ zu halten. Dabei wird die Zinlast Ihres Kunden durch einen „Zinsstufen-Swap“ für 2 Jahre vorübergehend eliminiert.

Marktüberblick (11.06.2020)
 

  • 3-Monats Euribor: -0,3580% p.a.
  • 10-Jahres EUR Swap-Satz: -0,1159% p.a.

Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung des 10-Jahres Swapsatzes und des 3-Monats Euribor in den letzten 10 Jahren.


Abbildung 2: 3-Monats Euribor und 10-Jahres EUR Swapsatz im Zeitablauf 

Zinsstufen-Swap zur Optimierung eines Bestands-Swaps


Produktbeschreibung: 

Ihr Kunde hat eine bestehende Finanzierung mit einer Restlaufzeit von 10 Jahren. In dieser entrichtet er den 3-Monats Euribor zzgl. einer Finanzierungsmarge von 1,00% p.a. In der Vergangenheit hat er – bei einem höheren Zinsniveau – zur Zinssicherung einen Festsatz-Swap abgeschlossen. In diesem tauscht er seine variable Zinslast (inkl. Finanzierungsmarge) gegen einen Festsatz von 2,00% p.a.


Abbildung 3: Der Zinsstufenswap als Ergänzung bestehender Geschäfte 

Unser Vorschlag besteht in der Eliminierung der gesamten Zinslast i.H.v. 2,00% p.a. für die Dauer von zwei Jahren (Zinssatz 0,00% p.a.), um eine erkennbare Liquiditätsentlastung zu erreichen. Dieser Bonus-Phase folgt eine Anschluss-Phase bis zum Laufzeitende, in welcher der Kunde einen erhöhten Festsatz i.H.v. 2,60% p.a. entrichtet. Die Eliminierung der Zinslast in den nächstne zwei Jahren erfolgt rein synthetisch durch den ergänzenden Zinsstufen-Swap. Sowohl das zugrundeliegende variable Darlehen als auch der bestehende Festsatz-Swap bleiben unberührt und werden weiterhin bedient.

Rahmendaten der Ausgestaltung:

  • Nominal: bspw. 2,5 Mio. EUR
  • Laufzeit: 10 Jahre ab 31.03.2020
  • Zinszahlung: vierteljährlich, 30/360
  • Kunde erhält: 2,00% p.a. (analog Bestandsswap)

    Kunde zahlt:
  • Bonus-Phase (Jahr 1 bis 2): 0.00% p.a. 
  • Anschluss-Phase (Jahr 3 bis 10): 2.60% p.a.


Abbildung 4: Zahlungsströme während der Bonus-Phase und Anschluss-Phase 

Die folgende Grafik zeigt im Vergleich die Zahlungsströme zwischen dem derzeit bestehenden „synthetischen Festsatz“ aus variablem Darlehen und Festsatzswap (je 2,5 Mio. EUR) über die 10-jährige Laufzeit und der neuen Lösung eines ergänzenden Zinsstufen-Swaps als Zinsoptimierung. Bei diesem ist – wie links in der Grafik zu sehen – für 2 Jahre eine garantierte Zinsersparnis realisierbar. Danach ist im weiteren Verlauf für 8 Jahre eine kompensatorisch erhöhte Zinslast zu schultern.
 


Abbildung 5: Jährliche Zahlungsströme mit und ohne Zinsoptimierung 


Chancen und Risiken aus Kundensicht


Chancen:
  • Ihr Kunde zahlt in den ersten zwei Jahren der Laufzeit 0,00% p.a. statt 2,00% p.a. und kann die bestehende Zinslast auf diese Weise vollständig ausgleichen. Er erzielt in der Bonus-Phase eine jährliche Liquiditätsentlastung von ca. 50.000 EUR (in Summe ca. 100.000 EUR). 
  • Das bestehende Darlehen und der Bestandsswap bleiben von dieser temporären Liquiditätsentlastung unberührt. 
  • Kein zusätzliches Markpreisrisiko, da alle zukünftigen Zahlungen quantifiziert sind. Eine eventuelle spätere Swap-Auflösung kann zu im Vorhinein weitgehend bekannten Konditionen erfolgen.
Risiken:
  • In den 8 Jahren der Anschluss-Phase zahlt Ihr Kunde 2,60% p.a. und mithin einen Aufschlag von 0,60% p.a. auf seine bisherige Zinslast i.H.v. 2,00% p.a. Das entspricht einer jährlichen Mehrbelastung von ca. 15.000 EUR.
  • Der Marktwert des Swaps sinkt in der Spitze auf ca. minus 4,80% (zu Anfang der Anschluss-Phase). Eine vorzeitige Beendigung wäre mit einem entsprechenden Einmalaufwand des Kunden verbunden.

Alternative Ausgestaltung:

Im vorgenannten Beispiel besteht der laufende Kapitaldienst ausschließlich aus Zinszahlungen. Die Tilgung ist endfällig. Im Falle einer tilgenden Nominalstruktur ist über eine Zinsentlastung hinaus eine temporäre Tilgungsentlastung denkbar. Der Kunde erhält in der Bonus-Phase aus dem Derivat zusätzlich zu den Zinszahlungen auch die Tilgungsleistungen, um das bestehende Darlehen zu bedienen. Im Gegenzug leistet er nach Ablauf der Bonus-Phase ergänzend zu den üblichen Tilgungsleistungen an das Darlehen Tilgungsleistungen an das Derivat, um die gestundeten Tilgungen über die Restlaufzeit sukzessive zurückzuführen. Der Zinskupon der Anschluss-Phase und die voraussichtlich benötigte Handelslinie fallen dementsprechend höher aus. Das bestehende Darlehen und der Bestandsswap bleiben auch in diesem Fall unberührt. 


Fazit


Der neue Geistesblitz „Temporäre Liquiditätsentlastung in der Corona-Krise durch einen Zinsstufen-Swap“ zeigt Ihrem Kunden eine Möglichkeit, seine bestehende Zinslast eines (synthetischen) Festsatzkredits für einige Zinsperioden zu eliminieren. So kann er in der aktuellen Corona-Krise – unabhängig bspw. von Corona-Hilfen der KfW – Handlungsspielraum zurückgewinnen. Im Gegenzug verpflichtet er sich zu einem erhöhten Zinssatz im Anschluss an die Bonus-Phase. Nach dem Januar-Geistesblitz zeigt die hier präsentierte Variante einen weiteren Ausschnitt der vielfältigen Möglichkeiten einer synthetischen Darlehensanpassung, um maßgeschneidert auf individuelle Anforderungen eines Unternehmens einzugehen. Für weitere Möglichkeiten, Derivate über die reine Zinssicherung hinaus zur Liquiditätssteuerung einzusetzen, sprechen Sie uns gern an.
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