11. Dezember 2017

Finalisierung der Basel III Reformen

Basler Ausschuss einigt sich auf neue Methoden zur RWA-Berechnung und zur Leverage Ratio.


ZusammenfassungÜberblick.

Das lange Ringen um die Finalisierung der Basel III Reformen im Basler Ausschuss für Bankenaufsicht hat ein Ende. Am 7. Dezember 2017 hat das Gremium sein finales Dokument zur Überarbeitung zahlreicher Methoden zur RWA-Berechnung und der Leverage Ratio veröffentlicht. Die Maßnahmen sind derart weitreichend, dass in der Bankenindustrie häufig von „Basel IV“ die Rede ist.
Strittig war bis zuletzt vor allem die Höhe des sogenannten „Output Floors“, der die Reduktion der Kapitalanforderungen durch die Verwendung interner Modelle im Vergleich zum Standardansatz begrenzen soll. Interne Modelle werden vor allem von europäischen Kreditinstituten verwendet, die daher einen möglichst niedrigen Output Floor favorisierten. Im Gegensatz dazu gab es Forderungen aus den USA nach einem hohen Output Floor, der die amerikanischen Banken, die überwiegend Standardansätze verwenden, schützen sollte. Der finale Kompromiss lautet, dass die gesamten RWAs, die ein Institut nach den von ihm verwendeten Methoden (sowohl interne Modelle als auch Standardansätze) nicht niedriger als 72,5% der RWAs sein dürfen, die sich ausschließlich nach den Standardansätzen ergeben. Folglich müssen Banken, die interne Modelle verwenden, zukünf-tig ihre RWAs auch nach den jeweiligen Standardansätzen berechnen und im Offenlegungsbericht veröffentlichen.

Weitere Elemente des Reformpakets sind ein überarbeiteter Standard- und IRB-Ansatz für Kreditrisiken, neue Ansätze für das CVA-Risiko, ein überarbeiteter Ansatz für operationelle Risiken sowie die Überarbeitung der Messung der Leverage Ratio und ein Leverage Ratio Puffer für global systemrelevante Banken (G-SIBs). Die wichtigsten Neuerungen wollen wir Ihnen in die-sem Newsletter näher vorstellen.
Parallel zu der Basel III Reform hat die European Banking Authority (EBA) bereits eine Auswirkungsanalyse für europäische Kreditinstitute veröffentlicht. Die EBA kommt zu dem Ergebnis, dass die Kapitalanforderungen der untersuchten Banken durch die Reformen im Schnitt um 12,9% steigen. Haupttreiber ist hierbei der Output Floor, der vor allem größere Banken betrifft, die interne Modelle verwenden.

Der Basler Ausschuss erwartet eine Umsetzung des gesamten Reformpakets bis 1. Januar 2022. In diesem Zusammenhang äußert sich das Gremium auch zu anhaltenden Schwierigkeiten bei der Implementierung des neuen Marktrisiko-Regimes (FRTB). Um bestehenden Herausforderungen besser begegnen zu können und um eine Überprüfung der Kalibrierung sowohl des Standardansatzes als auch des internen Modells zu ermöglichen, schlägt der Basler Ausschuss eine Verschiebung von FRTB ebenfalls auf den 1. Januar 2022 vor.
Die Vorschläge des Basler Ausschusses sind nicht rechtsverbindlich, sondern müssen durch die Gesetzgeber der verschiedenen Jurisdiktionen noch in geltendes Recht umgesetzt werden. Für die Europäische Union hatte die EU-Kommission bereits im November 2016 einen Entwurf für eine überarbeitete Capital Requirements Regulation (CRR II) vorgelegt, welcher u.a. die Umsetzung von FRTB beinhaltet. Die Auswirkungen der nun vorgelegten Basel III Reformen auf das EU-Gesetzgebungsverfahren sind zurzeit noch unklar.

Standard- und IRB-Ansatz für Kreditrisiken.

Im Standardansatz für Kreditrisiken wurde die Granularität der Risikogewichte erhöht und die Risikogewichte wurden rekalibriert. Für Hypothekarkredite wurde ein risikosensitiverer Ansatz entwickelt, in dem die Risikogewichte auf der Loan-to-Value Ratio (LTV) basieren. Die Risikosensitivität wurden ebenfalls für die Credit Conversion Factors (CCFs) von Verbriefungspositionen erhöht.
Im Internal Ratings-Based Approach (IRBA) wird die Nutzung des Advanced IRBA eingeschränkt. Es werden „Input Floors“ für von der Bank ermittelte Input-Parameter festgelegt. Außerdem werden die Methoden zur Ermittlung der Modell-Parameter genauer spezifiziert.

Ansätze für das CVA-Risiko.

Das CVA-Risiko ist definiert als Verlust, der durch eine Änderung der Credit Valuation Adjustments (CVA) aus Derivategeschäften und Wertpapierfinanzierungstransaktionen entsteht. Es handelt sich also um ein Marktrisiko. Daher orientiert sich der neue Standardansatz für das CVA-Risiko am FRTB-Standardansatz und ist ebenfalls sensitivitätsbasiert. Zusätzlich erlaubt das Basel III Reformpaket die Verwendung eines Basisansatzes für das CVA-Risiko, welcher Ähnlichkeiten mit der derzeitigen Standardmethode hat. Kleine Kreditinstitute mit einem aggregierten Nominalvolumen an nichtgeclearten Derivaten von höchstens 100 Mrd. EUR dürfen das CVA-Risiko über einen einfachen Multiplikator auf die Kapitalanforderungen für Kontrahentenrisiken berechnen.
Die Möglichkeit, das CVA-Risiko auch nach internen Modellen zu berechnen, wurde entfernt, da der Basler Ausschuss der Ansicht ist, dass das CVA-Risiko von Banken nicht zuverlässig modelliert werden kann.

Standardansatz für operationelle Risiken.

Der Basler Ausschuss zieht aus der Finanzkrise die Lehre, dass sich Verluste aufgrund von operationellen Risiken nur schwerlich mit internen Mo-dellen messen lassen. Daher wird der Advanced Measurement Approach (AMA) sowie die bisherigen Standardansätze durch einen neuen risikosensitiven Standardansatz ersetzt. Die Kapitalanforderungen für operationelle Risiken hängen im neuen Ansatz im Wesentlichen vom Ertrag der Bank und der Höhe historischer Verluste des Instituts ab.

Leverage Ratio.

Die Leverage Ratio setzt ein Kapitalmaß ins Verhältnis zu einem nichtrisikogewichteten Exposure-Maß. Bezüglich des Exposure-Maßes sieht die Basel III Reform zahlreiche Änderungen vor. Diese Änderungen betreffen unter anderem außerbilanzielle Risikopositionen und Derivate. Für Derivate ist zukünftig eine modifizierte Variante des Standardansatzes für Kontrahentenrisiken (SA-CCR) anzuwenden.
Für global systemrelevante Banken (G-SIBs) än-dert sich darüber hinaus die Mindesthöhe für die Leverage Ratio. Allgemein muss das Kernkapital von Kreditinstitute mindestens 3% der nicht-risi-kogewichteten Aktiva betragen. G-SIBs müssen zukünftig darüber hinaus einen Leverage Ratio Puffer einhalten, dessen Höhe von der Höhe des Kapitalaufschlags für G-SIBs auf die harte Kernkapitalquote (Common Equity Tier 1 Ratio) abhängt.

Fazit.

Durch die Basel III Reform steigt die Bedeutung der Standardansätze deutlich an. Zum einem wird die Möglichkeit, Kapitalanforderungen mit inter-nen Modellen zu berechnen, eingeschränkt. Zum anderen begrenzt der Output Floor die Reduktion der Kapitalanforderungen durch interne Modelle im Vergleich zum Standardansatz. Die Auswirkungen der Reform sind für europäische Banken gravierender als für amerikanische Institute, da diesseits des Atlantiks interne Modelle weiter verbreitet sind und Banken in Europa eine andere Rolle bei der Finanzierung von Unternehmen und Immobilien spielen als in den USA. Aber auch auf Banken ohne interne Modelle kommt erheblicher Implementierungsaufwand der überarbeiteten Standardansätze zu.

Die EBA hat für europäische Kreditinstitute im Durchschnitt einen Anstieg der Kapitalanforderungen aufgrund der Basel III Reform von 12,9% ermittelt. Allerdings können sich die Auswirkungen für einzelne Kreditinstitute stark unterscheiden. Daher sollten Banken den individuellen Einfluss der Basel III Reformen auf ihr jeweiliges Geschäftsmodell untersuchen. Ein Aspekt einer solchen Auswirkungsanalyse sollte sein, welche Änderungen der Kapitalkosten sich schon heute für die Preisfindung von Neugeschäften mit Laufzeit bis 2022 und länger ergeben. Darüber hinaus müssen sich Banken, die interne Modelle nutzen, in Abhängigkeit von ihrem jeweiligen Geschäftsmodell Gedanken machen, für welche Risiken der Einsatz interner Modelle in Zukunft noch zulässig ist. Die aggregierte Messung des Output Floors über alle Risikoklassen hinweg, erfordert nun eine wesentlich umfassendere Vorteilhaftigkeitsanalyse im Gesamtkontext.
Für tiefergehende Diskussionen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

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