EZB-Arbeitsgruppe empfiehlt ESTER als Eonia Nachfolger
IBOR-Reform / News
13. September 2018

EZB-Arbeitsgruppe empfiehlt ESTER als Eonia Nachfolger

Die EZB-Arbeitsgruppe „Working group on euro risk-free rates“ hat den Nachfolge-Index des Eonia gewählt (zur Pressemitteilung). Der Favorit euro short term rate (ESTER) erhielt die erforderliche Zweidrittelmehrheit. Da Eonia nicht EU BMR-konform ist, darf ab dem 01. Januar 2020 Neugeschäft nicht mehr auf den Index abgeschlossen werden. ESTER wird einen alternativen Referenzwert darstellen.

Eonia und ESTER bilden den durchschnittlichen Zinssatz für unbesicherte Übernachtausleihe ab. Während Eonia sich auf den Euro-Interbankenmarkt beschränkt, bezieht ESTER durch die Administration der EZB zusätzlich “wholesale” Transaktionen in seine Berechnung mit ein. Für die Berechnung des Eonia reichen täglich 28 Panelbanken freiwillig die qualifizierten Geschäfte ein. Eonia ist der gewichtete Durchschnitt dieser Beiträge. ESTER hingegen basiert auf den täglichen Einreichungen der Banken, die gemäß MMSR-Verordnung verpflichtet sind, Transaktionen für die Berechnung der EZB Statistik zu melden.

Als Eonia 1999 als erster transaktionsbasierter Zinsindex eingeführt wurde, galt er als innovativ und zukunftsweisend. Im Februar 2018 gab EMMI bekannt, dass die Reform des Eonia fehlgeschlagen ist und keine weiteren Anstrengungen unternommen werden, um den Index EU BMR-konform zu reformieren. Das Volumen des Interbankenmarktes ist so stark gesunken, dass Einzeltransaktionen den Eonia maßgeblich beeinflussen können. Somit zeigt das Verschwinden des Eonias auch die Probleme im EURIBOR / LIBOR auf: wegen fehlender Liquidität ist eine Alternative für diese Benchmarks auch unausweichlich.

Da Eonia ab 01. Januar 2020 nicht mehr EU BMR-konform ist, darf gemäß der zugrundeliegenden Regulierung kein Neugeschäft auf den Index abgeschlossen werden. Infolgedessen ermittelte die Arbeitsgruppe drei mögliche Nachfolge-Indices. Neben ESTER hätte auch GC Pooling oder RepoFunds Rate Eonia ersetzen können. Im Rahmen der anschließenden öffentlichen Konsultation hat sich ein Großteil der befragten Institute für ESTER als geeigneten Tagesgeldsatz ausgesprochen. Diesem Anfang August 2018 veröffentlichten Votum trägt die heutige Wahl Rechnung.

Laut EZB wird ESTER spätestens im Oktober 2019 veröffentlicht. Eine Übergangsphase von nur drei Monaten wird die meisten Institute vor eine große Herausforderung stellen. Es ist davon auszugehen, dass die EZB alle Anstrengungen unternehmen wird, ESTER bereits vor Oktober 2019 zu veröffentlichen. Die EZB wird in Kürze bekannt geben, ob vor diesem Hintergrund eine frühere Publikation des Index möglich ist.

Bis zum offiziellen Startschuss des ESTER wird die EZB den Übergangszinssatz Pre-ESTER veröffentlichen. Er soll die Einführung von ESTER für die Marktteilnehmer erleichtern und den Aufbau von Zeitreihen unterstützen. Beide Zinssätze werden mithilfe der gleichen Methodik berechnet. Im Gegensatz zum finalen ESTER enthält der Pre-ESTER zusätzlich zu den bis 07:00 CET am Folgetag getätigten Transaktionen noch alle Stornierungen, Korrekturen und Änderungen von Transaktionen bis zum Zeitpunkt der Berechnung. Der finale ESTER wird um diese zusätzlichen Datenfehler korrigiert. ESTER wird zukünftig um 9:00 Uhr CET an TARGET2 Geschäftstagen veröffentlicht.

Für weiterführende Informationen lesen Sie bitte hier: https://www.l-p-a.com/risk-quant-consulting/ibor-reform/

Christian Behm
Zum Verfasser
Christian Behm

Christian Behm, CFA, ist seit 2004 bei LPA. Er verfügt über breite Erfahrungen im Bereich der Bankenberatung mit einem Kapitalmarktfokus. Als Partner verantwortet er den Geschäftsbereich Risk & Quant Consulting und betreut große Kundenmandate.

Christian Behm
Christian Behm
Ihr Ansprechpartner für
Risk & Quant Consulting

Kontaktformular



Christian Behm
Christian Behm
Ihr Ansprechpartner für
Risk & Quant Consulting

Kontaktformular



Christian Behm
Christian Behm
Ihr Ansprechpartner für
Risk & Quant Consulting
Menü