LPA-Geistesblitz 5/2018
Geistesblitz
23. Mai 2018

LPA-Geistesblitz 5/2018

Zum Inhalt:

Variabilisierung einer Festsatzfinanzierung durch einen kündbaren Receiver-Swap mit Cap

Vorbemerkung

Bereits im Frühjahr letzten Jahres hatten wir die relative Zunahme von Festsatzfinanzierungen in einem „Geistesblitz“ aufgegriffen.1 So entscheiden sich deutsche Unternehmen zunehmend für alternative Finanzierungsformen zum klassischen variablen Bankkredit. Hiervon profitieren Festsatzkredite, Förderkredite, Schuldscheindarlehen (SSD) und Unternehmensanleihen.

Die Entscheidung für ein SSD oder eine Unternehmensanleihe erfolgt dabei nicht zwangsläufig aus einer grundsätzlichen Festsatzpräferenz des Unternehmens heraus. So sind beide Finanzierungsvehikel auch mit variablen Zinssätzen anzutreffen und die Ausgestaltungen als Festsatz überwiegend auf eine Festsatzpräferenz der Anleger zurückzuführen.2 Indem der Emittent dem Anleger die Entscheidung überlässt, gibt er die Hoheit über seinen Zinsbindungsmix – im Sinne der Mischung von festen und variablen Zinsen – aus der Hand.

Auch im Falle eines Festsatz- oder Förderkredits muss der Festsatz nicht dem originären Wunsch des Kunden entsprechen. Daher entsteht Handlungsbedarf, wenn es durch die Zunahme von Festsatz-Finanzierungen zu einer deutlichen Abweichung vom Wunsch-Profil des Unternehmens kommt. Der aktuelle Geistesblitz stellt mit dem „kündbaren Receiverswap mit Cap“ eine attraktive Möglichkeit für Unternehmen dar, ihren Zinsbindungsmix nachträglich zu adjustieren.

Marktüberblick (16.05.2018):3

6-Monats Euribor:     -0,2720% p.a.
7-Jahres Swap-Satz:   0,7440% p.a.

Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung des 6-Monats Euribor und des 7-Jahres Swap-Satzes in den letzten 5 Jahren.

 

Kündbarer Receiver-Swap mit Cap

Produktbeschreibung:

Ihr Kunde schließt eine Zinsstrategie mit 7-jähriger Laufzeit ab, aus der er den Festsatz 2,00% p.a. erhält, um seinen Festsatzkredit mit 7-jähriger Restlaufzeit zu bedienen. Im Gegenzug zahlt Ihr Kunde den 6-Monats Euribor zzgl. eines Zinsaufschlags von 1,35% p.a. Die Zinslast Ihres Kunden wird durch einen Cap auf 4,50% p.a. begrenzt.4 Zur Mitte der Laufzeit – nach 3 Jahren und 6 Monaten – hat die Bank einmalig das alleinige Recht, den Receiver-Swap zu kündigen.

Rahmendaten der Ausgestaltung:

  • Bezugsbetrag:                  z.B. 10 Mio. EUR (ohne Tilgung)
  • Laufzeit:                            7 Jahre ab heute
  • Frequenz:                          halbjährlich

Chancen und Risiken aus Kundensicht:

Chancen:

  • Trotz einer Variabilisierung der Zinslast ist Ihr Kunde vor einem Anstieg des 6-Monats Euribor über 3,15% p.a. geschützt.
  • Solange der Receiver-Swap besteht, erhält der Kunde die Chance, an einem stabilen, fallenden bzw. leicht steigenden 6-Monats Euribor zu partizipieren.
  • Ihr Kunde ist somit in der Lage seinen Wunsch-Zinsbindungsmix wiederherzustellen.
  • Auf Basis aktueller Marktdaten reduziert der Kunde seinen Zinssatz von 2,00% p.a. auf ca. 1,08% p.a.5 Dies entspricht einer Ersparnis von ca. 0,92% p.a. ggü. dem bestehenden Festsatz.

Risiken:

  • Der Höchstzinssatz der Strategie von 4,50% p.a. übersteigt den bestehenden Festsatz um 2,50% p.a.
  • Ihr Kunde zahlt zusätzlich zum 6-Monats Euribor einen Zinsauf-schlag, welcher seinen Zinssatz gegenüber dem Referenzzinssatz um bis zu 1,35% p.a. erhöht.
  • Die Variabilisierung der Zinslast ist nur vorläufig. Kündigt die Bank den Receiver-Swap zur Laufzeitmitte, beträgt der Zinssatz wieder fix 2,00% p.a.

Fazit

Der Geistesblitz „Variabilisierung einer Festsatzfinanzierung durch einen kündbaren Receiver-Swap mit Cap“ zeigt Ihrem Kunden eine Möglichkeit, seine Zinslast im gewünschten Umfang erneut zu variabilisieren und den gewünschten Zinsbindungsmix wieder zu erreichen. Trotz des variablen Zinssatzes ist er durch einen Höchstzinssatz abgesichert. Im Falle einer bankseitigen Kündigung der Strategie fällt er auf seinen ursprünglichen Festsatz zurück.

Die Strategie ist eine weitere Facette, Liquiditäts- und Zinsmanagement zu trennen. Das Liquiditätsmanagement kann weiterhin über die im konkreten Fall geeignetste Finanzierungsform erfolgen. Im Zinsmanagement wird durch ergänzende Strategien das gewünschte Zinsprofil – wie bspw. ein Ziel-Zinsbindungsmix – erreicht.

 


 

1 Bei Interesse kontaktieren Sie uns für die Geistesblitz Ausgabe März 2017 unter jan-henning.becker@l-p-a.com
Ein anderer Vorteil ist die Vermeidung negativer Referenzzinssätze und verbundener Mitigationsmaßnahmen (z.B. Floors).
3 Swap-Sätze: 6-Monats Euribor (halbjährlich) vs. Festsatz (jährlich).
Wünscht Ihr Kunde auf den Cap zu verzichten, sinkt der Zinsaufschlag um ca. 0,08% p.a. auf 1,27% p.a.
Zinssatz des Kunden: 1,0780% p.a. = -0,2720% p.a. + 1,3500% p.a.

Zum Verfasser
Jan-Henning Becker

Jan-Henning Becker ist Senior Manager bei LPA im Bereich Distribution Advisory. Er hat über 10 Jahre Kapitalmarkterfahrung und arbeitete vor seinem LPA-Einstieg bei einer Frankfurter Investment Bank. Berufsbegleitend hat er sich zum CFA und FRM qualifiziert. Hier bei LPA beschäftigt er sich schwerpunktmäßig mit Beratungsthemen rund um den Handel und Vertrieb von Risikomanagement-Produkten.

Jan-Henning Becker
Senior Manager

Kontaktformular



Jan-Henning Becker
Senior Manager

Kontaktformular



Jan-Henning Becker
Senior Manager
Menü