Geistesblitz 07/19
Geistesblitz / Publikationen
22. Juli 2019

Geistesblitz 07/19

USD-Zinsoptimierung “Kündbarer Verdoppler”

 

Vorbemerkung

Bereits in der März-Ausgabe hatten wir das US-Zinsumfeld und die inverse Zinskurve thematisiert. Inzwischen hat sich ihre negative Steilheit angesichts schlechter Nachrichten verstärkt. Für 2020 wird eine deutliche Abkühlung des Wirtschaftswachstums befürchtet. Politische Krisen verlieren nicht an Fahrt, während der Rückenwind der Unternehmenssteuerreform abebbt. Die Inflation ist niedrig (PCE-Kernrate 1,6%). So hat US-Notenbankchef Jerome Powell wiederholt die Bereitschaft der FED zur Lockerung der Zinspolitik erklärt.

Im aktuellen Zinsumfeld ist es bspw. kurzfristig günstiger – bei Vorliegen einer variablen Finanzierung auf Basis des 3-Monats USD Libor – auf den niedrigeren 5-Jahres Swapsatz zu wechseln. Doch wie lange würde dieser Vorteil vorhalten? Unternehmenskunden mit USD-Zinsexposure fragen sich, wie zahlreich diese Zinssenkungen ausfallen würden und wie schnell die FED das Ruder danach ggf. wieder herumreißen müsste. Lohnt der Standard-Zinsswap wirklich?

Der aktuelle Geistesblitz stellt mit dem „Kündbaren Verdoppler“ eine Möglichkeit vor, die Zinslast deutlich zu senken. Im Gegenzug wird der Bank das Recht gewährt, die Zinssicherung nach einem Jahr vorzeitig zu beenden. Bleibt sie bestehen, verdoppelt sich ihr Bezugsbetrag.

Marktüberblick (17.07.2019):

3-Monats USD Libor: 2,3025% p.a.
5-Jahres CMS-Satz: 1,8160% p.a.
Alternat. 5-Jahres Swap: 1,9000% p.a.
Zinsdifferenz (5 Jahre – 3 Monate): 0,4025% p.a.
Alternat. 4-Jahres Forward Swap (Start in 1 Jahr): 1,8300% p.a.
Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung des 5-Jahres Swapsatzes, des 3-Monats USD Libor und ihrer Zinsdifferenz in den letzten 5 Jahren.

 

USD-Zinsoptimierung mit „Kündbarer Verdoppler“

Produktbeschreibung

Ihr Kunde hat für die nächsten 5 Jahre einen Finanzierungsbedarf über 5 Mio. USD. Die Finanzierung bedient er auf Basis des 3-Monats USD Libor. Ihr Kunde erwartet sinkende Gelmarktsätze, ist sich jedoch sowohl über den Zeitpunkt als auch die Intensität im Unklaren. Zur zükünftigen Entwicklung der Kapitalmarktzinsen hat er keine dezidierte Meinung. Er spielt mit dem Gedanken, einen 5-Jahres Swap zu 1,90% p.a. abzuschließen, um seine aktuelle Zinslast unmittelbar um ca. 0,40% p.a. zu verbessern. Er ist jedoch offen für Alternativen.

Ihr Kunde erhält für die nächsten 4 Zinsperioden (1 Jahr) den 3-Monats USD Libor und zahlt im Gegenzug einen subventionierten Festsatz in Höhe von 1,59% p.a. Nach Ablauf des Jahres hat die Bank das Recht, den Swap zu kündigen. Verzichtet sie auf die Kündigung, bleibt der Swap für weitere 4 Jahre zu diesen Konditionen bestehen. In diesem Fall verdoppelt sich das Swapnominal. Diese Zielvorstellungen finden sich im „Kündbaren Verdoppler“ wieder.

Rahmendaten der Ausgestaltung:

Laufzeit: 5 Jahre ab heute
Zinszahlung: vierteljährlich, act/360
Kunder erhält: 3-Monats USD Libor
Kunde zahlt: 1,59% p.a.

Kündigungsrecht: Die Bank hat das Recht, den Swap nach Ablauf des ersten Jahres zu kündigen. Sollte sie von diesem Kündigungsrecht nicht Gebrauch machen, verdoppelt sich das Nominal des Swaps.

 

Chancen und Risiken aus Kundensicht

Chancen:

  • Ihr Kunde optimiert für ein Jahr seine variable Zinslast sowohl gegenüber dem aktuellen Niveau des Referenzzinssatzes als auch einer längerfristigen Zinssicherung. Im Vergleich zum aktuellen 3-Monats USD Libor fällt der Zinssatz ca. 0,71% p.a niedriger aus. Relativ zum alternativen 5-Jahres Swapsatz i.H.v. 1,90% p.a sinkt der Zinssatz um 0,31% p.a.
  • Im Falle eines Fortbestands des Swaps über das erste Jahr hinaus, ist Ihr Kunde zu einem Festsatz gesichert, der den heutigen zu diesem Zeitpunkt startenden, alternativen 4-Jahres Forward-Swap i.H.v. 1,83% p.a. um 0,24% p.a. unterschreitet.

Risiken:

  • Ihr Kunde kann im ersten Jahr nicht mehr an eventuell niedrigeren USD-Zinsen partizipieren. Dies ist für 4 weitere Jahre der Fall, sollte die Zinsstrategie nach dem ersten Jahr seitens der Bank nicht gekündigt werden.
  • Das Recht, den Swap nach einem Jahr zu kündigen, liegt ausschließlich bei der Bank. Im Falle einer Kündigung nach dem ersten Jahr ist der Kunde erneut einem Zinsänderungsrisiko ausgesetzt. Verzichtet die Bank auf eine Kündigung, verdoppelt sich das Nominal des Swaps.

Fazit

Der neue Geistesblitz „Kündbarer Verdoppler“ zeigt Ihrem Kunden eine Möglichkeit, seinen derzeit variablen USD-Zinssatz für ein Jahr auf einem Niveau deutlich unterhalb sowohl des variablen Referenzzinssatzes als auch des alternativen 5-Jahres Swapsatzes zu fixieren. Nach Ablauf dieses Jahres wird die Strategie entweder seitens der Bank gekündigt oder auf diesem Niveau – klar unterhalb des aktuellen Forward-Swapsatzes – für das doppelte Nominal fortgeführt. Im Ergebnis optimiert der Kunde seine Zinslast für mindestens ein Jahr. Im Falle der Kündigung durch die Bank kann er sich entscheiden, auf zukünftigem Marktniveau zu sichern oder variabel zu bleiben. Andernfalls bleibt er zu den bekannten Konditionen weiterhin gesichert.

Zum Verfasser
Jan-Henning Becker

Jan-Henning Becker ist Senior Manager bei LPA im Bereich Distribution Advisory. Er hat über 10 Jahre Kapitalmarkterfahrung und arbeitete vor seinem LPA-Einstieg bei einer Frankfurter Investment Bank. Berufsbegleitend hat er sich zum CFA und FRM qualifiziert. Hier bei LPA beschäftigt er sich schwerpunktmäßig mit Beratungsthemen rund um den Handel und Vertrieb von Risikomanagement-Produkten.

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