PRIIPs RTS v2: Bedenken wegen irreführender Performance-Szenarien

PRIIPs RTS v2: Bedenken wegen irreführender Performance-Szenarien
Die PRIIPs werden wegen ihrer Methodik für Performance-Szenarien stark kritisiert. Sowohl Hersteller als auch Verbraucher behaupten, die Ergebnisse seien oft zu optimistisch. In dem Bemühen, diese Probleme zu lösen, führen die ESAs mit PRIIPs RTS v2 eine neue Methodik für die Szenarien Günstig, Mäßig und Günstig für die meisten Fonds ein (genauer: lineare Produkte, in der PRIIPs-Terminologie Kategorie 2 genannt).

Warum sollte die neue Methodik zu ausgewogeneren Ergebnissen führen?

Anstatt das Szenario auf die letzten, meist positiven 5 Jahre zu stützen, verfolgt die neue Methodik einen Backtesting-Ansatz mit einem Zeithorizont von mindestens 10 Jahren. Zusätzlich werden auch kürzere Zeiträume in den letzten Jahren berücksichtigt. Außerdem wird anstelle des 10. Perzentils das schlechteste Ergebnis als ungünstiges Szenario gewählt. All diese Ansätze dürften die Wahrscheinlichkeit negativer Ergebnisse erhöhen.

Ist die neue Methodik hilfreich?

In vielen Fällen schon. Ungünstige Szenarien zeigen negative Ergebnisse und verdeutlichen die Möglichkeit eines Verlustes für die Anleger. Bei der derzeitigen 10-jährigen Marktentwicklung ist die neue Methodik jedoch nicht immer hilfreich, und es besteht sogar die Gefahr unrealistisch überpessimistischer Ergebnisse. Sehen wir uns einige Beispiele an.

Irreführendes positives ungünstiges Szenario für "Mainstream"-Aktienfonds

Bei einer empfohlenen Haltedauer von 5 Jahren (Marktpraxis für Aktien) weisen viele Fonds im ungünstigen Szenario eine positive Rendite auf. Und warum? Diese Fonds haben (1) bei einer 5jährigen Haltedauer in den letzten 10 Jahren keinen Verlust erlitten, aber (2) bei einer Mindesthaltedauer von 1 Jahr (Mindestzeitraum für das Backtesting) in den letzten 5 Jahren negative Renditen erzielt. Wir haben das ungünstige Szenario für den S&P 500 berechnet (Berechnungsdatum: 27.01.2022). Bei einer Investition von 10.000 EUR ergibt sich nach 5 Jahren ein Wert von 13.247 EUR. Dies entspricht einer positiven annualisierten Rendite von 5,78 % im ungünstigen Szenario (!), und wir sprechen hier von einem Fonds, der einen beliebten Mainstream-Aktienindex abbildet. Die Wahl eines niedrigeren Perzentils für den Fall, dass die Szenarien zu optimistisch sind, ist hier leider keine Option. Dies wurde erst mit RTS v2 für nicht-lineare Produkte (Kategorie 1 und 3) eingeführt. Beim Backtesting ist man auf das schlechteste Ergebnis festgelegt und es ist kein niedrigeres Szenario verfügbar.

Irreführende zu negative ungünstige Szenarien

Bei Fonds, die im letzten Jahr eine negative Wertentwicklung verzeichneten, geht die Methodik davon aus, dass sich diese negative Wertentwicklung immer wiederholen wird. Dies ist auf den Aktienmärkten nicht der Fall. Normalerweise kommt es nach ein bis zwei Jahren oder sogar schneller zu einer Erholung. Wir haben den Fonds MSCI China (Berechnungsdatum: 27.01.2022) ausgewählt und sein ungünstiges Szenario berechnet. Da dieser Fonds im letzten Jahr einen Verlust von -33 % verzeichnete, bedeutet dies einen Verlust von -86 % über 5 Jahre. Das ist nie passiert! Tatsächlich führen die Ergebnisse zu einer geringeren Rendite als das Stressszenario (das immer noch der auf der Expansion basierenden Methode von Cornish Fisher folgt). In diesem Fall muss das Stressszenario nach den RTS v2 angepasst werden: Es sollte auf das Niveau des ungünstigen Szenarios begrenzt werden. Dieses Phänomen tritt bei jedem Fonds auf, der im letzten Jahr einen erheblichen Verlust erlitten hat.

Schlussfolgerung

Wir wissen, dass es schwierig, wenn nicht gar unmöglich ist, eine Methodik zu finden, die immer funktioniert. Die neue Methodik für Leistungsszenarien von Fonds hat größere Chancen, zu optimistische Ergebnisse zu vermeiden. Zu gute Ergebnisse werden jedoch nach wie vor vorkommen, während übertriebener Pessimismus in den ungünstigen Szenarien ein häufiges Phänomen sein wird.

Ayal Leibowitz

Chief Innovation Officer

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