14. Dezember 2017

Sprechen wir über Geld, Alexa?

Amazon macht beim Banking per Sprachassistentin Alexa einen Rückzieher

Mit Alexa wird so schnell niemand seine Überweisungen tätigen oder den Kontostand erfragen. Voice Banking via Amazon stößt auf unerwartete Verzögerungen. Ist für dieser Form der digitalisierten Geldgeschäfte die kommende Regulatorik in die Quere gekommen?

Zwei Schritte vor, einen Schritt zurück

Alexa weiß alles und kann alles. Man kann ihr auch die ausgefallensten Fragen stellen – wann immer die Antwort in der Amazon-Cloud zu finden ist, wird sie mit freundlicher Frauenstimme durchs Zimmer schallen. Anweisungen führt Alexa willig aus, sofern sie sich digital erledigen lassen. Druckertinte nachbestellen, den neuen Bestseller von Dan Brown ordern, für Sockennachschub sorgen – für Alexa ein Klacks.

Doch Alexa darf nicht alles. Dabei hätte es so schön sein können: „Alexa, wie hoch ist mein Kontostand?“ „Alexa, überweise die 20 Euro fürs falsche Parken.“ Fehlanzeige … Gegenüber solchen Befehlen wird sich Alexa weiterhin taub stellen. Dabei war das Interesse vieler deutscher Geldinstitute groß, bei der neuen Technologie des Voice Bankings ganz vorn dabei zu sein. So wollte der Sparkassen Innovation Hub noch in diesem Jahr den Zugang zu Alexa öffnen.

Alexa im Wartestand

Doch aus der technologisch-digitalen Führungsposition wird erst einmal nichts. Amazon hat bislang keine konkreten Motive für den Rückzug kommuniziert. Ein möglicher Grund: Im Rahmen der Payment Service Directive 2 (PSD2) schreibt die Europäische Kommission vor, dass ab 13. Januar 2018 Zugänge zu Onlinekonten stets zwei unabhängige Sicherheitsschritte erfordern. Das steht der Philosophie entgegen, wonach sich alles ohne Aufwand per Stimme regeln lässt, was in den „Skills“ von Alexa vorgesehen ist. Voice-Banking-Skills werden also vorerst nicht dabei sein.

Amazon behält die Gründe für sich, warum Alexa nicht ans Geld darf. Das gibt Anlass zu Spekulationen, das Unternehmen bereite eigene Skills für Voice Banking vor. Denn wer hier das beste System anbietet, wird eine Schlüsselstellung im Banking der Zukunft innehaben. Es ist nicht auszuschließen, dass Amazons Tüftler eine Lösung finden – noch stehen die Chancen gut, dass die Stimme zum zentralen Tool für digitales Banking werden kann. Es bleibt spannend.

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