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19. Oktober 2017

Ideenschmiede für die digitale Finanzwelt

Der Sparkassen Innovation Hub bündelt Kompetenzen und entwickelt Ideen

Coworking, Thinktank, Brainpool: Um Innovationen zu fördern, können neue Formen der Zusammenarbeit effektiv sein. Was sich in anderen Wirtschaftszweigen bewährt, funktioniert auch für die Banken – auf besonders clevere Weise.

Thinktanks fürs Digitale

Ob Digitalisierung oder hohe Innovationsdynamik: Wenn große Herausforderungen ins Haus stehen, ist die Gründung von Brainpools immer eine gute Idee. Was läge näher, als ein kreatives Umfeld für Vordenker und Visionäre zu schaffen und Synergien zu ermöglichen? So macht es beispielsweise Philips in Hamburg: In einem speziell eingerichteten Health Innovation Port (HIP) sitzen Start-ups, oft nur drei, vier engagierte Leute, die völlig unabhängig an neuen Ideen und Produkten für den Gesundheitssektor arbeiten. Philips stellt gegen einen geringen Kostenbeitrag die Büros samt Infrastruktur. Ein cleveres Vorgehen, denn auf diese Weise ist das Unternehmen sehr nah an den Ideen und kann bei vielversprechenden Konzepten schon früh Kooperationen in die Wege leiten. Und das, ohne eigene Entwicklungsabteilungen dafür einzusetzen. Auch die Techniker Krankenkasse hat sich jetzt eingeklinkt, ist ebenfalls an zukunftsfähigen Ideen sehr interessiert.

Logisch, dass die Digitalisierung für die Start-ups eine zentrale Rolle spielt. Ob spezielle Virtual-Reality-Brille für Chirurgen, digitaler Schwangerschaftsberater oder individuelle Ernährungspläne für chronisch Kranke: Die Start-ups identifizieren Bereiche im Gesundheitssektor, für die sie neue Services oder Geräte entwickeln. Sie besitzen Fachkenntnisse, die im Hause Philips in der Form nicht existieren, aber durch das HIP ins Unternehmen geholt werden.

Kreatives Potenzial im Wettbewerb

Auch in der Finanzwelt ist der Bedarf an Innovationen spürbar. Doch so einfach wie Philips und andere große Unternehmen können die Banken nicht vorgehen. Denn bevor die Digitalisierung der Finanzwelt als große Zukunftsherausforderung erkannt wurde, haben einfallsreiche FinTechs bereits an neuen Produkten und Konzepten gearbeitet und sie auf den Markt gebracht. Sie brauchen dafür –anders als die Start-ups im komplexeren Gesundheitssektor – keine enge Anbindung an große Firmen.

Wenn die FinTechs also nicht zu den Banken kommen, gehen die Finanzinstitute eben einen eigenen Weg. Die Sparkassen-Finanzgruppe hat dazu den Sparkassen Innovation Hub (S-Hub) gegründet. Der veranstaltet regelmäßig sogenannte Product Discoveries, Wettbewerbe, zu denen junge Entwickler eingeladen werden, um gezielt an Problemlösungen oder neuen Produkten zu arbeiten. Dazu hat sich die Veranstaltungsform des Hackathon bewährt: Zwei Tage lang arbeiten innovative Teams hochkonzentriert und nahezu rund um die Uhr an gestellten Aufgaben. Für Lösungsansätze sind ansehnliche Geldpreise ausgelobt, realisierbare Konzepte werden dann in Kooperation von Entwicklern und S-Hub praxisfähig ausgearbeitet. Bevor die Entwickler eigene FinTechs gründen, entstehen Kooperationsstrukturen, die den Entwicklern im günstigen Fall den Markteinstieg vereinfachen und der Sparkassen-Finanzgruppe clevere Anwendungen sichern.

Symbiosen für die Zukunft

Wenn man weiß, wie langwierig und kompliziert Unternehmensgründungen in Deutschland sind, lässt sich leicht nachvollziehen, dass junge Entwickler die Idee einer Kooperation mit den Banken durchaus sympathisch finden – sie können ihren Ideen nachgehen und programmieren, die Banken verfügen über das Kundennetz und die nötigen Daten, damit die Entwicklungen auch funktionieren. Die Hackathons des S-Hubs werden daher auch Symbioticons genannt.

Beide Seiten können im günstigen Fall schnell in die Praxis einsteigen. Auf diese Weise lässt sich die Dynamik des digitalen Sektors auch in der Bankenwelt relativ zügig umsetzen. Geschwindigkeit ist wichtig, denn die vielen anderen FinTechs schlafen nicht, sondern sind im Wettbewerb schon weit vorn.

 

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