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23. November 2017

Finance 4.0 – die Zukunft des smarten Wirtschaftens

Digitalisierung der Banken: Die unerwartete Revolution

Regulierung und Kosteneffizienz, Preisstrategie und Digitalisierung haben in vielen Wirtschaftsbereichen eine hohe Priorität. Nur wer sie effektiv in seine Geschäftsabläufe integriert, kann zukünftig erfolgreich sein. Dabei spielt eine umfassende Digitalisierung eine zentrale Rolle.

Reset für zentrale Abläufe

Wirtschaft 4.0, Bank 4.0, Business 4.0 – diese Modebegriffe meinen alle dasselbe: Die Wirtschaft wandelt sich grundlegend. Die im Privatleben durch Kommunikation und Unterhaltungsmedien, vor allem aber durch die sozialen Medien längst erfolgte Digitalisierung hält Einzug in der Welt von Industrie und Handel, von Produktion und Distribution, von Logistik und Kommunikation. Ohne sinnvolle digitale Tools geht da in naher Zukunft nichts mehr. Und das aus drei Gründen:

  • Die Kunden erwarten Produkte und Services, die sich nur in digitalisierten Systemen realisieren lassen (Beispiel Bezahlsysteme, Onlinebanking, Routenplanung per Smartphone etc.).
  • Zentrale Player setzen neue Maßstäbe – wer also bestimmte Dienstleistungen erbringen will, kann das nur noch tun, wenn er digital arbeitet (Beispiel europaweite Ausschreibungsplattformen, Datenaustausch etc.)
  • Staatliche Regulatorik erfordert im Rahmen von Verfahren zur Genehmigung, Lizensierung, Zertifizierung und Dokumentation entsprechend digitale Daten.

Viele firmeninterne Arbeitsabläufe müssen an diese Anforderungen angepasst werden. Daher kommt den IT-Abteilungen eine zunehmend wichtige Rolle zu. Vorbei das Bild von den Troubleshootern, die man bei Computerproblemen ruft; von hier werden künftig zentrale Impulse ausgehen beziehungsweise werden hier notwendige Adaptionen der firmeninternen Prozesse an die Anforderungen der digitalisierten Umgebung der Firma erfolgen.

Lerne deinen Computer zu lieben

Für die Bankenwelt ist zwar mit Onlinebanking und digitalem Kommunikationskanal zu den Kunden ein erster Schritt getan. Aber eben nur eine erster – die Digitalisierung erfordert eine völlig neue Unternehmenskultur, damit der notwendige umfassende Neustart in vielen Bereichen tatsächlich funktioniert. Die Digitalisierung erweist sich hier als zentraler Game Changer – ein „weiter so“ kann und wird es nirgends geben, denn dann wären allein die Auflagen der Bankenaufsicht nicht zu erfüllen. Nötig ist eine Kultur der Innovation, die alle Informations- und Entscheidungswege betrifft. Die Digitalisierung wird an keinem einzigen Mitarbeiter der Finanzinstitute vorbeigehen. Sie wird sämtliche hausintern vorhandenen Kompetenzen auf den Prüfstand stellen und großen Bedarf an neuen Kompetenzen wecken. Die Digitalisierung ändert das Berufsbild des Bankers fundamental.

Banking muss künftig vom Digitalen her gedacht werden. Neben dem Produkt und der Kommunikation sind davon sämtliche Abläufe betroffen.

Wird die Digitalisierung nicht als lästige Neuerung, sondern als Chance begriffen, kann das die Horizonte erweitern. Es gilt nicht primär, eigenständig neue Produkte zu entwickeln – das geht mit Kooperationen viel besser und effizienter. Wichtiger sind die Stabilisierung und der Ausbau des Kundenstammes – und das in einer Zeit, in der Kunden immer weniger Loyalität gegenüber Unternehmen zeigen, sich schnell für neue Dienstleister und Anbieter entscheiden und oft ähnliche Produkte nicht mehr aus einer Hand kaufen, sondern volatil aus mehreren. Die Geldgeschäfte auf verschiedene Banken und Anbieter zu verteilen, ist keine Ausnahme, sondern wird zur Regel.

Beteiligte oder Betroffene

Die Digitalisierung der Banken ist nichts anderes als eine Revolution, deren Tragweite vielen Beteiligten erst langsam klar wird. Und sie stellt wohl die zentrale Zukunftsherausforderung dar. Die Frage ist nicht, ob die Auflagen der Aufsichtsbehörden effizient erfüllt werden oder ob die Eingabemaske fürs Onlinebanking der neuesten Sehgewohnheit entspricht, also den Kunden gefällt. Entscheidend ist, ob man sich als Betroffener oder als Beteiligter der Digitalisierung versteht – ein grundlegender Unterschied in der Perspektive und vor allem in der Handlungsbereitschaft.

Das lässt im LCL-System der Motivation nur eine Alternative: das L. Nur wer die Digitalisierung positiv adaptiert („love it“), wird weiterhin erfolgreich sein – C oder „Change it“ ist kein Weg, denn die Digitalisierung ist unumkehrbar. Auch das zweite L („leave it“) wird sich ohne Digitalisierung ohnehin über kurz oder lang einstellen – nämlich das Ende der Geschäftstätigkeit und das Verlassen der Branche. Doch das will niemand, und darauf ist die unerwartete Revolution auch gar nicht angelegt.

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