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17. Januar 2018

Die neuen Finanz-Allianzen

FinTechs entwachsen den Kinderschuhen und arbeiten mit Banken zusammen

Konsolidiert sich ein neuer Markt, bündeln sich Kräfte? Start-ups des Finanzsektors schließen Allianzen und nutzen Synergien. Das kann Vorbild und Anregung für die klassischen Banken sein.

Kooperation statt Konkurrenz

Manche Neuerung beginnt eher unauffällig: Nutzern der Onlinebanking-Funktion der ING-Diba fällt seit einigen Wochen auf, dass das Unternehmen intensiv Werbung für Scalable Capital macht: ein Klick, und Kunden auf der Suche nach einer effizienten Vermögensverwaltung landeten direkt bei dem findigen FinTech, das sich kontinuierlich in die Spitzengruppe alternativer Finanzdienstleister vorgearbeitet hat. Für die ING-Diba offenbar so überzeugend, dass man mit den Digitalexperten gemeinsame Sache macht.

Auf Kooperation setzt auch die HSH Nordbank. Um die Bank im Rahmen der Privatisierung wieder für breitere Kundenkreise zu öffnen, boten die Hamburger im Dezember 2017 die zu jenem Zeitpunkt besten Zinsen für Festgeldkonten an. Doch wer die 0,95 Prozent mitnehmen wollte, konnte das ausschließlich über die Finanzplattform Zinspilot tun. Kundenkonten bei der HSH Nordbank gibt es nicht; transferiert werden die Mittel über anzulegende Konten bei der Sutor Bank.

Die ebenfalls in Hamburg beheimatete Sutor Bank ist ihrerseits mit einem neuen Service auf digitaler Basis ins Rennen gegangen: Auf der Sutor-Banking-Plattform gibt es seit Kurzem als neues Produkt die automatisierte Sofort-Kreditprüfung von CashCape. Via Smartphone-App ist eine Kreditzusage und -auszahlung in kürzester Frist möglich.

Experimentierfreudige Klassiker

Einen ähnlichen Weg geht die Deutsche Bank, wenngleich mit einem entscheidenden Unterschied: Sie implementiert zwar ein digitales Hilfsmittel, entwickelte es allerdings neu. Als erstes großes Geldhaus in Deutschland bietet die Bank ihren Kunden seit kurzem einen Robo Advisor namens Robin, um einen Portfolio-Vorschlag zu erstellen und ein Depot zu eröffnen. Robin ist nach dem „AnlageFinder“ von 2015 der zweite Start der Deutschen Bank in diesen Bereich der digitalen Welt, diesmal offenbar erfolgreicher.

Commerzbank und Comdirect arbeiten ebenfalls an einem digitalen Vermögensberater. Doch warum das Rad neu erfinden, wenn FinTechs bereits effiziente und praxistaugliche Tools anbieten? Durch die Zusammenarbeit mit Scalable Capital konnte die ING-Diba besonders schnell agieren, Entwicklungskosten sparen und gleich mitverdienen. Die Gebühren für die Vermögensverwaltung fließen an Scalable, die ING-Diba rechnet Handel, Konto und Depot mit dem Kunden ab. Eine Win-win-Situation mit optimal niedrigem Aufwand dank digitaler Synergie.

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