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13. Dezember 2017

Deutsche Telekom macht auf elektrisch

Sprechen, mailen, tanken: Ein neues Produkt der Telefongesellschaft?

Die Deutsche Telekom baut Ladesäulen für Elektroautos – weil sie einen strukturellen Vorteil erkannt hat. Wie und warum Kommunikation und das Fahren der Zukunft zusammenkommen und was das für Digitalstrategien bedeuten kann – wir verraten es.

12.000 Optionen auf einen Schlag

Das Thema Elektromobilität wird seit Jahren intensiv diskutiert. Und tatsächlich erscheinen – wenn auch deutlich langsamer als geplant – immer mehr Autos auf deutschen Straßen, die Strom als Antriebskraft nutzen. Doch wie so oft bei technologischen Paradigmenwechseln zeigt sich das Huhn-Ei-Dilemma: Was kommt zuerst? Die Stromversorger richten nur zögerlich Ladesäulen für E-Fahrzeuge ein, weil noch so wenige unterwegs sind. Und die Elektroautos kommen nur zögerlich auf die Straßen, weil es so wenige Stromtankstellen gibt.

Nun könnte sich die Versorgung deutlich verbessern. Der Telekom ist klar geworden, dass sie über eine große Zahl potenzieller Ladesäulen verfügt – in ihren sogenannten Kabelverzweigern. Man kennt die großen grauen Kästen aus dem innerstädtischen Straßenbild, gut 380.000 davon gibt es in Deutschland. Jeder hat eine eigene Stromversorgung und digitale Messeinrichtung. Etwa 12.000 der Kabelverzweiger sind so gelegen, dass sie sich mit wenigen technischen Änderungen in Ladesäulen verwandeln lassen – inklusive des benötigten Parkraums.

Potenziale nutzen

Die Zahl der aktuell 8.000 Ladestationen für E-Autos (Stand: Ende 2017) könnte also schnell um 150 Prozent steigen – und das zu vergleichsweise geringen Kosten. Die technische Umrüstung läge in der Hand der Telekom, die Schaffung oder Umwidmung des Parkraums samt Beschilderung müssten die Kommunen übernehmen. Der Bund wiederum könnte fördern.

Für die Telekom eine spannende Perspektive: Sie kann mit vorhandener Infrastruktur ein weiteres Produkt anbieten, verfügt zudem sogar über eigene Kommunikationswege für die Datenübermittlung von den Stromabnahmepunkten zu den Rechenzentren, die für die Abrechnung zuständig wären. Da fehlt nur noch das Rundum-sorglos-Paket, das Telekommunikation und Stromtanken clever koppelt und ein neues Element der Kundenbindung werden könnte: Wer bei der Telekom günstig tanken kann, bleibt ihr auch als Telefon- und Internetkunde treu.

Strukturen neu lesen

Das Beispiel der Telekom lässt sich natürlich nicht eins zu eins auf andere Branchen übertragen. Erhellend ist es trotzdem. Denn es sensibilisiert für grundlegende Fragen:

  • Bietet sich mir strukturell ein bislang übersehenes Potenzial mit Zukunftsperspektive?
  • Kann ich durch Hinzunahme eines künftig stark gefragten Produktes die Kundenbindung erhöhen?
  • Wie kann ich an einem sich entwickelnden Bedarf – hier: die Abrechnung von Ladestrom – durch ein neues Produkt partizipieren?

So wird verständlich, warum sich auch Banken mit breiterer Perspektive moderne Trends anschauen sollten. Wenn es Telefonkarten von Aldi gibt und Supermärkte Zahlungen für Internetdienste möglich machen, ist auch die Idee des Ladestromkaufs in der Bank keineswegs abwegig. Und im Rahmen der Digitalisierung wäre sie sogar leicht umsetzbar.

 

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