21. Juli 2017

Paypal – Nase vorn an der Zapfsäule

Ein Internet-Bezahldienst wildert im Real Life

Bei Shell kann man sein Benzin jetzt direkt an der Zapfsäule per App bezahlen. Für Autofahrer ist das super bequem, die anderen Finanzinstitute dagegen geraten ins Hintertreffen. Warum ist keine andere Bank auf diese Idee gekommen?

Sitzenbleiben ist der neue Fortschritt

Eilige Motoristen haben einen triftigen Grund, die Stationen von Shell anzusteuern und dort ihre Tanks zu füllen: Zusammen mit Paypal bietet Shell den Service SmartPay an, damit lässt sich der Bezahlvorgang zunächst an ausgewählten Tankstellen in Hamburg und Berlin per Smartphone schnell und einfach abwickeln. Man muss nur vorab die Shell-App mit seinem Paypal-Konto verknüpfen. Steht man dann vor der Zapfsäule, tippt man nach der Identifizierung per Fingerabdruck oder PIN auf „Jetzt tanken“, gibt die Zapfsäulennummer und einen Maximalbetrag ein. Auf welcher Shell-Station das Fahrzeug steht, ist derweil per GPS identifiziert.

Ist der Tank voll und der Zapfhahn wieder eingehängt, zeigt die App die Abrechnung an. Per Mail gibt es einen auch von Finanzamt anerkannten Tankbeleg. Und weiter geht die Fahrt …

SmartPay ist nicht nur etwas für Menschen mit knappem Zeitbudget. Manche Eltern lassen ihre Kinder nur ungern allein im Auto zurück, um an die Kasse zu gehen, und anderen ist der Weg beschwerlich. Sie werden es zu schätzen wissen, künftig beim Auto bleiben zu können – schon gar an jenen Shell-Stationen, an denen ein freundlicher Mitarbeiter ihnen den Tankvorgang abnimmt und sie im Auto sitzen bleiben können.

Kein neuer Service ohne Kehrseite

So sehr manche Tankkunden SmartPay begrüßen werden – nicht allen kann der neue Service gefallen. Noch sind viele Tankstellenpächter skeptisch, ob ihnen da nicht vielleicht ein Kuckucksei ins Nest gelegt wird. Denn sie machen einen Gutteil ihres Gewinns mit den Verkauf von Zigaretten, Zeitungen und Lebensmitteln im Tankstellenshop – wer bei seinem Auto bleibt, fällt hier als Kunde aus. Aber vielleicht lockt der Service ja umso mehr Tankkunden an, sodass mit verkauften Kraftstoffen ein Umsatzplus erzielt wird.

Wenig Gefallen an Paypals Initiative dürften auch reguläre Banken finden. Sie sind zumindest indirekt davon betroffen, dass man sein Benzin bei Shell mit der praktischen App bezahlen kann. Mit Paypal tritt ein vorrangig im Internet aktiver Bezahldienst nun auch im „realen Leben“ an, um Geld zu verdienen. Schneller als jede andere Bank und jedes noch so kreative FinTech hat Paypal einen attraktiven Service gelauncht, bei dem nicht nur mit den Transaktionen Profit gemacht wird, sondern mit dem sich zusätzlich auch Daten generieren lassen. Selbst wenn es fast zwei Jahre gedauert hat, bis der in England bereits eingeführte Dienst auch in Deutschland startet: Paypal zeigt, wie sich neue Geschäftsmodelle und Geschäftsfelder erschließen lassen – an Orten, die vorher sichere Bastionen des Bezahlens mit Bargeld oder EC-Karte waren.

Smartpay zeigt exemplarisch, welche Vor- und Nachteile die Digitalisierung des Bezahlwesens mit sich bringt. Sich aus diesem Zukunftspotenzial die Vorteile zu sichern, ist eine Frage der Kreativität – und die brauchen Banken in zunehmendem Maß, um neuen Wettbewerbern aus dem Internet Paroli zu bieten und neue Kundenkreise für sich zu gewinnen.

Fotocredit: fotolia.com, maho, 44286840

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