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17. August 2017

Bei uns werden Sie versichert!

InsurTechs: Persönlicher Schutz, der aus dem Smartphone kommt

Nicht nur der Bankensektor, auch die Versicherungswelt befindet sich in einer Umbruchsituation – und auch hier ist es die Digitalisierung, die neue Akteure aktiv werden lässt und innovative Produkte und Geschäftsmodelle möglich macht. Die Parallelen zwischen FinTechs und InsurTechs sind höchst aufschlussreich.

Neue Anbieter, neue Ideen

Sie nennen sich i-surance oder GetSafe, Versicherix, asuro oder AppSichern: die InsurTechs, zumeist kreative Start-ups, die auf digitalem Weg die Versicherungsbranche umzukrempeln beginnen. Denn die befindet sich in einer Krisensituation: Das Geschäftsmodell, die Prämien der Kunden gewinnbringend anzulegen, funktioniert seit der globalen Finanzkrise in einer andauernden Niedrigstzinsphase nicht mehr. Traditionell weit verbreitete und gewinnbringende Produkte wie Lebensversicherungen interessieren immer weniger Kunden, internetbasierte Vergleichsportale erzwingen eine Anpassung der Konditionen an den günstigsten Anbieter. Das hat schrumpfende Margen zur Folge.

InsurTechs verändern durch neuartige Kommunikationsmittel, Produkte und Vertriebswege den Markt und revolutionieren ihn:

  • InsurTechs arbeiten komplett digital und mobil.
  • Sie offerieren neue, perfekt individuell zugeschnittene und oft flexible Produkte.
  • Sie bieten neue Geschäftsmodelle.
  • Sie definieren den Point of Sale neu.

Alternativ zu konventionellen Versicherungsprodukten bieten InsurTechs sehr flexible Optionen – etwa temporäre Upgrades auf Vollkaskoservice, die sich zu einem definierten Termin wieder auf die Grundabsicherung reduzieren. Die Abwicklung ist dank Digitalisierung einfach und kommt einem neuen Verbrauchertyp entgegen, der in der digitalen Welt sozialisiert ist. Da sich die Verkaufsstrategie von klassischen Formen der Geschäftsanbahnung löst, entsteht mit jedem eingesetzten Smartphone potenziell ein neuer Point of Sale. Versicherungsvertreter gehen zum Kunden, bei InsurTechs kommt der Kunde zur Versicherung.

Weder Versicherung noch Makler

Ähnlich wie FinTechs keine Banken sind, sind InsurTechs keine Versicherungen, aber auch keine reinen Makler. Sie bilden einen neuen Sektor, in dem sich Kunden für neue Produkte gewinnen lassen. Bereitgestellt werden die nach den Vorstellungen der InsurTechs strukturierten Produkte von konventionellen Versicherungen. Erfolgreich sind InsurTechs damit, weil sie das besondere Add-on, den besonderen Mehrwert bieten. Das kann bereits die digitale Abwicklung sein.

InsurTechs kaufen die angebotenen Leistungen bei klassischen Versicherungen ein. Da sie als Vermittler im digitalen Raum eine Monopolstellung innehaben, können sie auch die Preisgestaltung beeinflussen. Ist ein Versicherer nicht bereit, eine größere Menge bestimmter Leistungen zum erwarteten Preis bereitzustellen, tut es eben ein Wettbewerber.

Ignorieren – oder adaptieren

Versicherungen wie Banken werden von neuen Wettbewerbern überholt und müssen sich an die einer rapiden Veränderung unterworfenen Marktsituation anpassen. Wie in der Seefahrt können diese großen Tanker aber niemals so beweglich sein wie wendig kleine Motorboote auf der Jagd nach Kunden. Versicherungen wie Banken müssen einsehen, dass sie diesen Wettbewerb kaum gewinnen können: Ehe sie eine neue Unit aufgebaut haben, gibt es längst wieder neue Konzepte und Produkte. Mit der Marktentwicklung mithalten kann nur, wer die innovativen Kräfte einbindet, also FinTechs oder InsurTechs übernimmt oder eng mit ihnen kooperiert. Dass dabei in den relevanten Geschäftsfeldern der kleinere Partner die Führung innehaben wird, liegt in der Natur der Sache.

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