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17. August 2017

Fortschritt? Ohne uns!

Wenn Human Resources die Digitalisierung bremsen

Never change a winning team, lautet ein gern zitiertes Wort. Doch was tun mit dem Team, wenn die Siege ausbleiben und immer mehr Trophäen den Wettbewerbern zufallen? Die Digitalisierung stellt die Finanzwelt unausweichlich vor eine entscheidende Herausforderung: Go digital – or go! Abgesehen von effizienter Software ist das vor allem eine Frage von Human Resources: Eine digitale Zukunft kann es nur gemeinsam mit dem Team geben.

Höchste Zeit, sich zu bewegen

Einmal gelernt, für immer verinnerlicht – ist die Ausbildung abgeschlossen und der geeignete Job gefunden, läuft alles in geregelten Bahnen. Noch immer ist eine solche Mentalität weit verbreitet: Es gilt, sich möglichst komfortabel im Arbeitsleben einzurichten, und dann heißt es business as usual bis zur Altersgrenze. Doch was jahrzehntelang funktioniert haben mag, ist kein taugliches Modell mehr. Technisierung, Internationalisierung und Digitalisierung fordern die Mitarbeiter in immer mehr Branchen heraus, sich auf die aktuellen Entwicklungen einzulassen und mit ihnen Schritt zu halten.

Tatsächlich empfinden viele Arbeitskräfte Veränderungen oft als bedrohlich: Sie stehen Neuem skeptisch bis ablehnend gegenüber, fürchten Kontrollverlust über den bisher souverän verantworteten Bereich, verfallen in eine Krisenstimmung. Und was hilft gegen eine vermeintliche Bedrohung? Genau – das Festhalten an Bewährtem. Digitalisierung? „Ach, das mache ich nicht mehr mit, bisher bin ich doch auch so mit meiner Arbeit klargekommen …“

Mehrfach haben Studien aufgezeigt, dass in der Bankenwelt für Digitalisierung zwar Budgets eingeplant sind, die Umsetzung aber von inneren Widerständen der Mitarbeiter erschwert wird. Und schon im Juli 2015 stellte Andreas Dombret, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank, einem Vortrag auf dem 19. Bankensymposium unter den Titel „Aussitzen ausgeschlossen – Was bedeutet Digitalisierung für den Bankensektor in Deutschland?“

Vom Kopf zurück auf die Füße

Die Notwendigkeit zum Handeln ist prinzipiell erkannt. Doch die Praxis sieht oft ernüchternd aus: Digitalisierung wird als unvermeidliches Übel angesehen; Sinn und Unsinn verstehen nur die wenigsten Chefs, die alle notwendigen Schritte an die IT-Abteilungen delegieren und die ihrerseits in geheimnisvollen Arbeitsgruppen zusammenkommen. Und dann wird allen ein neues System gleichsam übergestülpt, das sich niemandem so recht erschließt und selbst von den Experten nicht verständlich erklärt werden kann. Keine einladende oder motivierende Situation.

Fakt ist: Die Idee vom viel zitierten „Change“ ist in vielen Unternehmen entweder noch nicht angekommen, oder nötige Veränderungsprozesse werden falsch umgesetzt. Werden Neuerungen nicht überzeugend erklärt und begründet, erzeugen sie zwangsläufig eine „Das mache ich nicht mehr mit!“-Haltung. Daher werden sie gern trotzig ausgesessen. Ein weit verbreiteter Gedanke lautet: „Was die da oben sich da wieder ausgedacht haben – das kann doch gar nicht funktionieren!“

Kein Change ohne Change-Management

Der Umkehrschluss ist einfach: Firmen brauchen spätesten an der Schwelle zur digitalen Transformation eine alle Abteilungen umfassende Weiterbildungskultur, müssen sich Trends öffnen, Neuerungen überzeugend erklären und begründen. „Change“ kann ohne „Change Management“ nicht funktionieren, ist also eine Frage der Personalführung, der Kommunikation und Transparenz. Und nötigenfalls auch der professionellen Unterstützung von außen.

Denn es kann nicht schaden, sich zwei Dinge vor Augen zu halten:

  • Chefs sind nicht qua Funktion automatisch befähigt, ihre Leute effizient zu führen.
  • Mitarbeiter sind auch bei hoher Qualifikation und erfolgreichem Arbeiten nicht davor gefeit, grundlegend Neues zu lernen.

Die besten Chancen auf eine zielführende Umsetzung hat die Digitalisierung in den Banken, wenn sie als große Herausforderung für alle verstanden und angenommen wird; als Ziel, das nur zusammen erreicht werden kann. Digitalisierung ist dabei nur in technischer Hinsicht eine Frage geeigneter Software – viel grundlegender ist sie eine Frage der Motivation. Nur wenn alle verstehen, warum Veränderungen notwendig und sinnvoll sind, kann das Team gemeinsam antreten. Und auch wieder Siege erringen.

 

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