19. Juni 2017

Cash an der Kasse: Ade, Geldautomat?

Warum Geld abheben im Supermarkt so clever ist

Geld ist ja inzwischen auch nichts anderes mehr als Brötchen oder Zeitungen: überall jederzeit erhältlich – ob man nun die „Frankfurter Allgemeine“ beim Bäcker kauft, die frischen Brötchen an der Tankstelle oder sein Bargeld an der Edeka-Kasse mitnimmt. Letzteres entpuppt sich gerade als cleveres Geschäftsmodell …

Zauberwort „Cash Back“

„Darf es noch etwas Geld zum Mitnehmen sein?“ So wird vermehrt an Supermarktkassen gefragt, wer seinen Einkauf im Wert von mehr als 20 Euro per Karte zahlt. Wer sich ohnehin noch Bargeld besorgen wollte, wird gern akzeptieren, zumal man sich keine Gedanken mehr über Servicegebühren am Geldautomaten machen muss. Dort wird aktuell an der Kostenschraube gedreht – an der Supermarktkasse schlägt man dieser Kostenfalle ein Schnippchen.

„Cash Back“ heißt das Verfahren: Mittlerweile können sich Kontoinhaber fast aller am Girocard-System beteiligten Banken und Sparkassen in allen Filialen von Rewe, Edeka, Penny, Netto, Toom und Aldi Süd per Girocard bis zu 200 Euro Bargeld kostenlos auszahlen lassen. Auch die beteiligten Banken schlagen damit ein Schnippchen: Es entfallen Installations- und Wartungskosten von Geldautomaten, die zum Beispiel beim Geldinstitut ING-DiBa nach eigenen Angaben um die 2.000 Euro im Monat betragen.

Eine Win-win-Situation für alle, denn:

  • Der Kunde spart sich den Weg zur Bankfiliale oder zum Geldautomaten.
  • Die Abhebung ist gebührenfrei.
  • Die teilnehmenden Supermärkte verzeichnen vermehrt Umsätze von mehr als 20 Euro, weil die Kunden mit Bargeldbedarf die Mindestumsatzhöhe erreichen wollen.
  • Die Menge des vom Supermarkt bei der abendlichen Abrechnung handzuhabenden Bargeldes verringert sich.
  • Die beteiligten Geldinstitute geben ihren Kunden Zugang zu Bargeld, ohne dafür extra in Geldautomaten investieren zu müssen. Sie sparen die Kosten für Einrichtung und Wartung weitere Terminals.
  • Den beteiligten Banken entstehen keine Kosten, da wie zuvor der Supermarkt die Gebühren für die Karten-Transaktion trägt.

Besonders spannend ist die Nutzung der Supermärkte als Bargeld-Outlet für Finanzdienstleister mit vergleichsweise schmalem Service-Angebot. Das trifft zum Beispiel auf die Smartphone-Bank N26 und die Direktbank DKB zu, die über kein eigenes Filialnetz und keine eigenen Geldautomaten verfügen. Sie können auf einen Schlag viele Hundert Kontaktpunkte zum Bargeldabheben anbieten (allerdings ist das Verfahren bei Einsatz des Smartphones ein wenig komplizierter). Die ING-DiBa hatte sich ebenfalls eigene Filialen gespart, dafür aber gut 1.300 Geldautomaten vor allem in Aral-Tankstellen installiert.

Glückliches Kleinvieh steht Schlange

Masse statt Klasse: Seit die Bankenwelt gleichsam in der ökonomischen Schockstarre des Niedrigstzinses gefangen ist und sich die einst so lukrativen Einkünfte aus Kredit- und Darlehenszinsen auf ein Minimum reduziert haben, fällt es Banken zunehmend schwer, ihre Geschäftsstrukturen aus den erzielten Erlösen zu finanzieren Da kommt jede Idee gelegen, die Kostensenkung und Ausweitung des Services verbindet. Denn guter Service ist noch immer ein effektives Tool zur Kundenbindung.

Nicht nur die beteiligten Banken wissen das Cash-Back-System zu schätzen – auch den Supermarktkunden gefällt es: Den Weg zum Bankautomaten und etwaige Gebühren spart sich jeder gern. Kleinvieh, das haben die Banken erkannt, macht auch Mist – und das Kleinvieh steht glücklich in der Warteschlange an den Supermarktkassen, weil die Welt ein Stück einfacher geworden ist.

Fazit: Dass sich an der Supermarktkasse Bargeld abheben lässt, ist für alle Beteiligten ein Gewinn. Banken können Kosten reduzieren und zugleich aufgrund des Wegfalls von Gebühren ihr Image aufbessern. Die Supermärkte profitieren unter anderem vom Erreichen der nötigen Mindestumsatzes. Keine schlechte Idee, die traditionellen Wege der Bargeldbeschaffung zu vereinfachen – digitalisierte Bezahlverfahren machen es möglich.

Fotocredit: fotolia 81831335

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