17. August 2017

Let the sun shine in!

Wie ein Energieversorger und Google neue Geschäftsmodelle erfinden

Wenn du etwas weißt, das mir hilft, warum tun wir uns dann nicht zusammen und machen gemeinsam das Beste daraus? Um mögliche Stromerträge von Solaranlagen zu ermitteln, nutzt Eon die Daten von Google und kann zeigen, wie lukrativ ein Solardach wird. So geht Win-win mit einem überraschenden Partner.

Zukunft mit Gewinnmarge

Lange Zeit wurde das seltsame grüne Pflänzchen argwöhnisch beäugt. Während Ökostromer wie Lichtblick, die Energierebellen Schönau oder Greenpeace Energy einen Markt für regenerativ erzeugten Strom auf- und ausbauten, warteten die konventionellen Energiehersteller erst einmal ab. Wobei dieses „erst einmal“ ziemlich lange dauerte und die Konzerne ökonomisch ins Hintertreffen gerieten. Doch jetzt geht Eon in Kooperation mit Google mit einer attraktiven Idee in den Markt.

Außer als Suchmaschine wird Google vor allem für Google Maps und Google Earth genutzt. Tatsächlich kennt niemand unsere Welt von oben so genau wie der amerikanische Konzern, niemand hat einen besseren Datenbestand. Den macht sich Eon jetzt zunutze: Die Plattform Sunroof stellt auf Basis des Google-Wissens nach simpler Adresseingabe eine Berechnung an, wie rentabel eine Solaranlage für Hausbesitzer sein könnte. Das Angebot von Eon für eine passende Anlage ist nur einen Mausklick entfernt.

Das Geld liegt auf den Dächern

Google steuert die Kenntnisse über Dachneigungen und durchschnittliche Sonnenscheindauer bei, Eon berechnet die Erträge. Clever: Da sich fast immer ein Plus ermitteln lässt, ist die Versuchung groß, sich auch gleich ein Angebt machen zu lassen. Denn noch immer kann mit einer privaten Photovoltaik-Anlage Geld verdient werden, wenngleich die großen Gewinne vergangener Jahre inzwischen spärlicher sprudeln. Und da Geldanlagen praktisch keine Zinsen mehr bringen und viele Deutsche spekulative Anlagen meiden, ist eine Investition ins eigene Kraftwerk auf dem Dach naheliegend. Der saubere Strom kann entweder sofort verbraucht, zwischengespeichert oder ins Netz eingespeist werden – die langjährig garantierte Vergütung schlägt die miserablen Zinsaussichten um Längen.

So gesehen sind erneuerbare Energien ein echtes Finanzthema – und es ist vielsagend, dass ein Energieversorger hier mit einem klugen Konzept aktiv wird, aber niemand aus dem Finanzsektor. Das Bewusstsein von der Dynamik in diesem Bereich und das Wissen um Einspeisevergütungen und staatliche Förderungen dürften in kaum einer Bank vorhanden sein.

Quer gedacht – Gewinn gemacht!

Auch wenn Stromerzeugung nicht zu den Standardprodukten von Banken und Finanzinstituten gehört: Erneuerbare Energien sind weltweit allen Unkenrufen zum Trotz ein Erfolgsmodell und zur Bewältigung des Klimawandels unverzichtbar. Mithin ein Bereich mit

  • viel Zukunftspotenzial,
  • stabilen Gewinnaussichten und
  • kontinuierlichem Investitionsbedarf.

Genau die richtigen Ingredienzien also für ein sinnvolles Produkt. Was hätte da näher gelegen, als dass eine Bank sich in diesen Bereich einarbeitet? Hier geht es schließlich nicht um die bemannte Raumfahrt zum Mars, sondern um simple Solaranlagen. Gemeinsam mit dem passenden Partner eigentlich eine schnell zu lösende Aufgabe: Der Partner bringt das Knowhow – Daten, Innovationen, Technologie – ein, die Bank das Investitionskapital und entwickelt Marke sowie Marketing-Plattform. So hätte sich aus dem Zukunftsbereich „Private Solaranlagen“ ein ertragreiches und gewinnversprechendes Produkt mit hohem Imagepotenzial machen lassen.

Zweifellos werden Geldanlagen und die Verwaltung und Mehrung von Werten das Haupttätigkeitsfeld der Banken bleiben. Aber warum sollte man sich nicht die Digitalisierung nahezu aller Wirtschaftsbereiche zunutze machen? Querdenken könnte der Weg sein, um ein paar gänzlich neue Produkte zu erfinden. Wobei der Fokus auf „finden“ liegt – die Ideen liegen förmlich auf der Straße, man muss sie nur erkennen…

Fotocredit: Bundesverband Solarwirtschaft e.V.

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