4. September 2017

Digitalisierung durch Fusion – das reicht nicht aus

Trotz Kooperation mit FinTechs bleibt für Banken viel zu tun

Erst führten sie Online-Banking ein, inzwischen arbeiten viele Banken mit FinTechs zusammen oder übernehmen sie komplett. Genug der Digitalisierung? Wohl nicht – erst wenn auch die hausinternen Arbeitsprozesse digitalisiert sind, können Geldinstitute die aktuellen Anforderungen effizient erfüllen.

Mach den Feind zum Freund

Gestern haben die FinTechs noch wie ein mächtiger Gorilla imponierend mit den Fäusten auf den Brustkorb getrommelt – heute entpuppen sie sich als niedliche Koboldmakis: Keines der cleveren, digital operierenden Start-ups hat eine klassische Bank aus dem Markt gedrängt, und selbst wenn sich FinTechs das eine oder andere Sahnehäubchen vom fremden Kuchen genommen haben, wurde die Wettbewerbssituation nie bedrohlich. Immerhin haben viele Banken mit den anfangs als bedrohliche Konkurrenz empfundenen FinTechs ihren Frieden geschlossen und von Konfrontation auf Kooperation geschaltet.

Aus den Erfolgen der FinTechs, eine neue, jüngere und digital sozialisierte Zielgruppe als Kunden zu gewinnen, haben die Full-Service-Banken das richtige Fazit gezogen: Durch Kooperation oder Übernahme haben sie innovatives Potenzial in das eigene operative Geschäft eingebunden. Warum das Rad neu erfinden, wenn man ein voll funktionsfähiges erwerben oder sich daran beteiligen kann? Ehe wir digital so weit sind, dass wir da mithalten können, so die Erkenntnis der klassischen Geldhäuser, ist der Markt längst an uns vorbeigerauscht.

Zusammen können wir am meisten erreichen

Tatsächlich sind mit vereinten Kräften die größeren Erfolge zu erzielen: Die FinTechs konnten ihren Geschäftsbereich auf die Domänen der Bankenpartner ausdehnen. Und die alteingesessenen Geldhäuser, zu denen die Kunden noch immer das größte Vertrauen haben, erweiterten ihr Produkt-Portfolio. So geben sich Robo-Advisor und persönlicher Kundenberater virtuell die Hand – die Aufteilung der Gewinne regelt der Kooperationsvertrag.

Weiterer Pluspunkt: Robo-Advising ist nach neuestem Entscheid der Bafin eine klassische Beratungstätigkeit, nur eben mit neuen Mitteln – also lizenzpflichtig. Doch viele FinTechs haben gar keine Bankenlizenz. Die brauchen sie auch gar nicht, wenn sie unter der Flagge der Großen ihre Geschäfte machen.

Digitalisierung der internen Prozesse klemmt noch

Zur rechten Zeit aufgewacht, FinTechs und Banken. Nach Online-Banking ist die Erweiterung des Produkt-Portfolios um digitale Dienstleistungen für klassische Full-Service-Banken ein wichtiger Schritt in Richtung Zukunft. Doch selbst wenn es für manche Kunden nun so aussieht, als sei das digitale Zeitalter endgültig angebrochen, ist der Blick hinter die Kulissen oftmals noch immer ernüchternd. Digitalisierung der Banken heißt eben nicht nur, mit zeitgemäßen, nämlich digitalen Produkten neue Kundenschichten zu erschließen. Ganz wesentlich kommt es auf die Digitalisierung der hausinternen Prozesse an. Und da gibt es noch eine Menge ungelöster Aufgaben.

So einvernehmlich Banken und FinTechs inzwischen ihr Business machen – zumindest ein angriffslustiger Gorilla scheint noch aktiv zu sein: Der britische Digital-Pionier Tandem übernimmt 100 Prozent der Harrods-Bank. Geschäftserfolg einmal umgekehrt …

Fotocredit: fotolia, 140693684, hurca.com

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