19. Juni 2017

Erst die App, und dann?

Die Digitalisierung der Banken erfordert weit umfangreichere Innovationen

Apps für den Privatkunden-Service bietet mittlerweile wohl jede Bank. Doch das ist erst der Anfang – der Schritt von der Digitalisierung des persönlichen Zahlungsverkehrs hin zur Digitalisierung des kompletten Bankgeschäfts ist groß. Die nötige Software ist allerdings bereits verfügbar.

Alle Geschäftsfelder im Blick

Wie praktisch: Mit nur wenigen Klicks kann man sich bei seiner Hausbank ein Programm herunterladen – Zahlungsverkehr vom heimischen Computer aus oder per App auf dem Smartphone ist nun kein Problem mehr. Kaum ein Privatkunde dürfte allerdings wissen, dass viele Geldhäuser in Sachen Digitalisierung ein deutliches Defizit vor sich herschieben. Und sogar den Banken selbst ist nicht immer klar, dass mit der anwenderfreundlichen App das Thema noch längst nicht ad acta gelegt werden kann. Die digitale Transformation fängt erst an – und ist längst überfällig.
Ein Treiber beim Wandel hin zur digitalen Abwicklung der Geschäfte ist ein verschärftes Pflichtregelwerk: Um eine Wiederholung von Bankenkrisen wie im Jahr 2008 künftig zu vermeiden, hat die Europäische Bankenaufsicht eine Vielzahl neuer Regeln und Auflagen erlassen. Sie effizient zu erfüllen, ist nur mithilfe spezieller digitaler Tools möglich.

Absicherung für Kunden und Bank

Neben Vorschriften zur Eigenkapitalquote beziehen sich die Regeln vor allem auf ein besseres Risikomanagement und eine verbesserte Dokumentation gegenüber dem Kunden. Wenn Produktpräsentation und Beratungsprozess digital erfolgen, lassen sich alle Fakten jederzeit regelkonform kommunizieren, ständig verfügbar halten und den Marktentwicklungen anpassen.

Der Einsatz spezialisierter Software-Tools garantiert die Einhaltung aller relevanten Regeln, und ermöglicht dabei eine hohe Effizienz in der Erstellung etwa von Angeboten oder Präsentationen. Zudem passt er sich einem veränderten Kundenverhalten an: Der Umgang mit Internet und digitalen Hilfsmitteln wird immer selbstverständlicher. Da steht es außer Frage, dass Bestands- wie Neukunden es zu schätzen wissen, wenn ihre Hausbank mit effektiven Instrumenten arbeitet. Die geeignete Software ermöglicht es einer Bank, alle benötigten Unterlagen und den Kommunikationsprozess mit geringstmöglichem Aufwand und bestmöglichem Nutzen zu erstellen. Ein – neben allen persönlichen Kontakten – auch digital intensiv betreuter Kunde wird einen solchen Service auf mehreren Ebenen zu schätzen wissen. In Zeiten, in denen attraktive Angebote von Wettbewerbern die Idee einer Hausbank verschwimmen lässt, kann digitale Servicevielfalt die Kundenbindung stabilisieren.

Andere Player im Markt

Und noch eine Entwicklung setzt Geldinstitute unter Digitalisierungsdruck. Clevere FinTechs offerieren spezielle Services in Bereichen, in denen sich mit entsprechenden Computerprogrammen einfach und lukrativ spezielle Dienstleistungen anbieten lassen. Viele klassische Full-Service-Banken sind mit der Erosion von Marktsegmenten konfrontiert. Weiterhin eine umfassende persönliche Betreuung sicherzustellen, ist ein immenser Kostenfaktor – der zudem immer schwieriger gegenfinanziert werden kann, wenn rein internetgestützte Konkurrenten in die gewinnbringenden Geschäftsbereiche eindringen.

Die Frage ist nicht, ob ein Finanzinstitut seine Geschäftsprozesse digitalisiert, sondern wann. Und da wird zu langes Warten gravierende negative Folgen haben.

Fotocredit: fotolia_139391053

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