19. Juni 2017

Technologiewandel: Nicht warten, handeln!

Warum DHL zum Pionier einer Zukunftstechnologie wird

Wenn es keine Zukunft gibt, macht man sich halt selber eine. Und wenn der Markt für einen notwendigen Technologiewandel keine geeigneten Produkte bietet, ist handeln statt warten das Motto. Was DHL im Bereich Elektromobilität macht, könnte die Bankenwelt auf dem Weg in die Digitalisierung inspirieren.

Fortschritt nur häppchenweise

Schon einmal schien sie unmittelbar bevorzustehen, die elektromobile Zukunft der Lieferdienste: Im Spätherbst 2011 stellte Volkswagen in Potsdam „eT“ vor, den Prototypen eines elektrisch angetriebenen Transport- und Zustellfahrzeugs. Gemeinsam mit DHL entwickelt, bot der Lieferwagen alle Features, die Paketdienste sich wünschen – ja, er konnte sogar dem Zusteller selbstfahrend folgen, wenn der von Haus zu Haus ging! Nur leider hat seither niemand mehr etwas von diesem „eT“ gehört. 2020 sei eine Markteinführung denkbar, hieß es damals. Offenbar stand das ökologisch fortschrittliche Fahrzeug nicht auf der Prioritätenliste des Weltkonzerns.

Auch sonst ließ sich auf unseren Straßen weit und breit kein anderer geeigneter Elektro-Lieferwagen blicken, den DHL auf dem Weg zur CO2-neutralen Distribution im Rahmen des Logistikkonzepts GoGreen dringend benötigte. Doch vielleicht war „groß“ auch einfach nur falsch gedacht: DHL fand die Lösung im Kleinen – im Streetscooter. Schon 2010 war im Umfeld der RWTH in Aachen die Vision entstanden, E-Fahrzeuge wirtschaftlich auch in kleinen Stückzahlen zu produzieren. Ohne Milliardeninvestitionen und viele Jahre Vorlauf entwickelt, wurde schon 2011 der Kleinlaster Streetscooter präsentiert.

Sauber und clever in die Zukunft

Für DHL die perfekte Lösung: Der wieselflinke und mucksmäuschenstille Lieferwagen kann 650 kg zuladen und ist auf täglich mindestens 300 Stopps ausgelegt. Ein 41 PS starker E-Motor kann mit einer Batterieladung 80 Kilometer Strecke bewältigen. Da der „eT“ Zukunftsmusik blieb, griff DHL zu: Man testete den Scooter 2014 – und war so von dem Gefährt überzeugt, dass DHL zum Jahresende die StreetScooter GmbH komplett übernahm. Bis Ende 2017 werden 10.000 Scooter bundesweit im Einsatz sein, die Jahresproduktion ist auf 20.000 Stück hochgefahren, ein zweiter Fertigungsstandort entsteht, und das Unternehmen Deutsche See – als Kunde bei VW wegen gebrochener Umweltversprechen abgesprungen – hat bereits 80 Scooter mit speziellem Kühlaufbau geordert.

Und im Juni 2017 meldeten die Nachrichtenagenturen, dass DHL und Autohersteller Ford einen mittelgroßen Transporter mit E-Antrieb entwickeln wollen – unter maßgeblicher Mitwirkung der Streetscooter GmbH. 2018 sollen davon 2.500 Fahrzeuge unterwegs sein.

So weit, so gut, so innovativ und so ökologisch notwendig. Doch geht es in dieser Geschichte nur vordergründig um Technik oder Ökologe. DHLs Aufstieg zum Autobauer zeigt beispielhaft, wie Unternehmen bei technologischen Herausforderungen ungewöhnliche Wege gehen und dabei auch noch sehr erfolgreich sein können.

Vorteile erkennen, Vorteile nutzen

Denn DHL kann durch den Rückgriff auf eine bereits vorhandene Entwicklung

  • sehr kurzfristig eine praxistaugliche Logistiklösung nutzen,
  • geeignete Fahrzeuge jenseits großer Autokonzerne zu überraschend niedrigen Kosten beschaffen,
  • in ökologischer Hinsicht einen enormen Imagegewinn verzeichnen.

Auch in anderen Branchen herrscht ein immenser Modernisierungsdruck – der Schritt zur Digitalisierung ist in der Finanzwelt eine der großen, ja überlebenswichtigen Herausforderungen. DHLs Beispiel zeigt, dass die benötigten Lösungen vielfach schon existieren und sie sowohl effizient als auch effektiv sein können. Hier zuzugreifen, anstatt erst selbst das Rad neu erfinden zu wollen, kann den nötigen und drängenden Technologiewandel sofort einleiten.

Fotocredit: DHL

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