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9. Oktober 2017

Bücher wird es immer geben – aber keine Buchdrucker

Der Wandel in der Buchherstellung als Präzedenzfall der Geschichte: Wenn sich die Geldgeschäfte verändern, setzt das die Banken unter Zugzwang. Der Tod von Bleisatz und Buchhaltungsmaschinen legt nahe, rechtzeitig Zukunftstechnologien zu adaptieren.

Aufstieg und Fall der Gutenberg-Idee

Ob in Evolution, Zivilisation oder Technik: Das Bessere verdrängt das Vorhandene. Da mag es noch so alte Traditionen geben – als Gutenberg den Druck mit beweglichen Lettern erfand, endete die Zeit der mittelalterlichen Kopisten. Deren Job war es gewesen, religiöse Schriften von Hand zu vervielfältigen. Die wenigsten von ihnen dürften eine Beschäftigung als Schriftsetzer gefunden haben. Gutenbergs Erfindung ging um die Welt und gab der Bildung breiter Schichten einen enormen Schub. Doch auch sie steuerte auf ein Ende zu: Mit dem Markteintritt von Personal Computern und der Entwicklung von Schreib- und Layout-Programmen endete die Epoche des Bleisatzes.

Und erneut gingen viele der ehemaligen Akteure leer aus: die Schriftsetzer. Als Verlage und Redaktionen auf IT-basierte Produktionstechniken umstellten, verschwand ihr Tätigkeitsbereich – denn Autoren und Journalisten wurden jetzt selbst zu Schriftsetzern. Die neue Technologie ließ einen ganzen Berufszweig verschwinden, auch wenn nach wie vor Bücher produziert werden.

Andere Technik – gleicher Vorgang

So oder ähnlich werden immer wieder bewährte Techniken durch etwas Neues ersetzt. Wer sich nicht rechtzeitig weiterbildet oder auf das innovative System umsteigt, verliert seinen Platz in der Workforce. Oder komplette Firmen verschwinden: Wer kennt heute noch Taylorix? Einst waren die von Taylorix vertriebenen Buchungs- und Datenerfassungssysteme Fixomat und Fixodata aus kaum einer bundesdeutschen Buchhaltung wegzudenken, doch mit der Computerisierung änderten sich Geräteausstattung und Bedienung grundlegend. Heute kann man seine Buchhaltung auf jedem gewöhnlichen Rechner erledigen, sofern man eine geeignete Software nutzt. Die Marke Taylorix erlosch 1999.

Digitaler Epochenwandel

Und nun die Digitalisierung – in einigen Bereichen schon vollzogen, in anderen Bereichen die große Zukunftsherausforderung. Innovative FinTechs arbeiten von vornherein ganz selbstverständlich mit Bits und Bytes, ja ihre Geschäftsmodelle wären ohne Digitalisierung gar nicht möglich. Das setzt auch die klassischen Banken unter Zugzwang. Literaturnobelpreisträger Bob Dylan hat es schon früh formuliert: „You better start swimmin’ or you’ll sink like a stone“ – wer die Digitalisierung nicht umsetzt, wird von der Bildfläche verschwinden.

Bücher gibt es noch immer, Buchhaltung ist ein unverzichtbarer Teil jeden Geschäftsbetriebs und auch Banking hat nach wie vor Zukunft – entscheidend ist außer dem Wie vor allem das Wer. Nur wer für neue Technologien offen ist und sie rechtzeitig erfolgreich adaptiert, wird auf der Siegerseite der Modernisierung stehen.

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