21. Juli 2017

Bitcoins – die Entwicklung digitaler Währungen

Dollar und Euro, Yen und Renminbi erwächst im Internet Konkurrenz

Münzen, Scheine, Schecks – den vertrauten Formen des Bezahlens erwuchs durch bargeldlosen Zahlungsverkehr, Kreditkarten und später das Online-Banking immer wieder Konkurrenz. Doch von vielen unbeachtet, entsteht derzeit ein völlig neues Finanzsystem: die Kryptowährungen. Die Digitalisierung und das Internet machen es möglich, Werte auf eine bislang unbekannte Art zu übermitteln und zu handeln

Scheine, Münzen, Bits & Bytes

Wer Geld-Fan ist, kann jenseits von Euro und Cent viel erleben: Regionalwährungen wie der Chiemgauer in Oberbayern, der KannWas in Schleswig-Holstein oder der Urstromtaler in Sachsen-Anhalt werden lokal im Zahlungsverkehr akzeptiert. Und es gab Zeiten, da hatten viele Städte ihre eigenen Währungen und ließen fantasievolle, bunte Scheine drucken. Solches Notgeld aus Inflations- und Nachkriegsjahren erfreut sich bei Sammlern großer Beliebtheit.

Doch meistens läuft es genau andersherum: Währungen und ihre greifbare Manifestation als Geld in Scheinen und Münzen sterben. Hatte die Einführung des Euro schon zum Verschwinden von D-Mark und Franc, Drachme, Pesete und Escudo geführt, könnte ein noch wesentlich weitergehender Wandel in Vorbereitung sein, der unser Denken in Geldkategorien völlig auf den Kopf stellt. Im Internet entsteht – noch weitgehend im Verborgenen – möglicherweise die radikal andere Zukunft des Geldwesens. Dort wachsen Bitcoin, Ethereum und Ripple heran, völlig neue Systeme, wie Werte abstrahiert und transferiert werden.

Starke Kursschwankungen bei den Kryptowährungen

Weltweit gibt es bereits über 800 Kryptowährungen, unter denen Bitcoin, Ethereum und Ripple wohl die bekanntesten sind. Greifbar manifest werden diese Währungen allerding nicht: Sie existieren nur als Buchungsvorgänge im Block-Chain-System. Hierbei wird unter den Teilnehmern des Marktes endlos fortgeschrieben, wer wem welche Menge an Währungseinheiten transferiert. Wie im realen Währungsmarkt steigen und fallen die Kurse – bei den bekannteren Kryptowährungen geht es mitunter sehr turbulent zu, Kursstürze um 20, 30 Prozent sind nicht selten. Ebenso gut aber lassen sich auch kräftige Sprünge nach oben beobachten.

Kryptowährungen mit ihrer etwas komplizierten Systematik muten für Außenstehende noch wie das Hobby von Internet-Nerds an. Doch entwickeln sie sich langsam zu einem zweiten Währungssystem. Bitcoins lassen sich in echte Währungen tauschen, und es gibt erste Dienstleister, die Bitcoin als Bezahlung akzeptieren.

Kryptowährungen – Geld ohne Banken?

Sammler werden viel Geduld haben müssen und im Endeffekt wohl enttäuscht werden: Scheine und Münzen wird es in Bitcoin oder Ethereum wohl nicht geben. Aber das wäre auch viel zu konventionell gedacht. Der besondere Charakter der Kryptowährungen besteht ja darin, dass sie eine ausschließlich digitale Existenz führen und nicht durch echte Geld- oder Goldreserven gedeckt sein müssen. Doch je mehr Personen sich am System beteiligen und Bitcons als werthaltig akzeptieren, desto eher könnten sich diese und andere Kryptowährungen durchsetzen.

Und noch ein Aspekt ist signifikant: Bitcoins und die anderen Digitalwährungen sind weitestgehend außerhalb der Bankenwelt entstanden. Die muss zwar nicht befürchten, in absehbarer Zeit überflüssig zu werden, und auch Bargeld dürfte es noch länger geben. Ungeachtet der starken Kursschwankungen – möglicherweise die Kinderkrankheit des neuen Systems – zeigt sich jedoch, dass in der Finanzwelt Platz ist für ein völlig anders gedachtes und organsiertes Geldsystem. Kryptowährungen werden Dollar, Euro und Yen nicht verdrängen oder ersetzen – aber sie werden über kurz oder lang das Zeug dazu haben, sich neben den traditionellen Währungen zu behaupten. Und das Geld, das von den neuen Playern mit dem Handel der Währungen und dem Abwickeln von Zahlungen verdient wird, ist für klassische Banken ein verlorenes Geschäft.

Fotocredit: fotolia.com,Petr Ciz,155038148

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